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Waldmünchen - Höhensiedlungen im Böhmerwald
Der Wagen- , Eben- und Krambergerhof

von Hansjörg Schneider
entnommen aus dem Buch "Beiträge zur Geschichte im Landkreis Cham" 6. Band 1989
Herausgegeben vom Arbeitskreis Heimatforschung im Kulturverein Bayerischer Wald e.V.
(mit freundlicher Genehmigung des Autors, Herr Hansjörg Schneider)



Vor etwas über 100 Jahren standen hoch droben im Böhmerwald Bauernhöfe mit teils sehr großem Grundbesitz. Der Forst strebte jedoch ständig danach, fremde Rechte und Besitzungen aus den umliegenden Staatswaldungen hinauszubringen. Auf diese Veranlassung hin verkauften auch im Jahre 1854, 1861 und 1876 diese Bauern ihre Gehöfte, die sie teils jahrhundertelang in Familienbesitz hatten. Im Jahre 1855 siedelte der Wagenhofbauer Georg Bock nach Waldmünchen um und wurde "Bockmüller" von Raubersried (Waffenschleife). Dieser Besitz war ganz früher die "Waffenschleife", später dann eine Tabaksmühle, bis dann Bock eine "Mahlmühle" daraus machte.

Wagenhof

Das Holzrecht am Wagenhof verblieb jedoch noch beim Bockmüller. Wenn man bedenkt, dass der Wagenhofbauer Bock, 96 Tagwerk Grund im Besitz des Wagenhofes hatte, so war dies bestimmt nicht wenig für die damalige Zeit. Der zweite Wagenhofbauer Wolf Karl, hatte nicht weniger als 84 Tagwerk Grund in Besitz, so betrug die gesamte Grundfläche des Wagenhofes insgesamt 180 Tagwerk Felder und Wiesen, ein ganz respektables Areal.
Der heutige Nachfolger auf der Bockmühle in der Waffenschleife führt einen landwirtschaftlichen Betrieb. Im Jahre 1913 bereits wurde die Bockmühle gezwungen, ihren Betrieb einzustellen. Die Familie Zangl, die die ehemalige Bockmühle heute bewirtschaftet, hat noch eine bildliche Erinnerung an ihre Vorfahren vom Wagenhof. Es ist dies ein Muttergottesbild, auf zwei Brettern gemalt, in noch sehr gut erhaltenen Farben, teils mit Ochsenblut. Ein alter wurmstichiger Holzrahmen umgibt das Bild, es erinnert an die Verlobung des "Beter Bock", mit Margaretha, im Jahre 1797. Auch aus dem Jahre 1690 hatte die Familie ein Bild vom Wagenhof, es stammte vom ersten Besitzer dieses Hofes, dem "Hansen Wagner", von dem der Wagenhof seinen eigentlichen Namen hat. ... Aus dem Jahre 1654 wird uns das erste Mal vom Wagenhofbauern berichtet. Dem Hans Wagner aus Prosdorf werden, auf ein Gutachten des damaligen Pflegers Waygl, durch den Amberger Rentmeister, Engelbert Friedrich Nothaft, 40 Tagwerk Holzgrund zur "Ausräumung" für einen halben Hof überlassen. Er mußte dagegen jährlich an den Pfleger geben:
"3 Gulden Zins, 6 Pfund Hofschmalz, 2/3 Zehent und bei jeder Veränderung eine Reichung des gewöhnlichen Handlohnes."
Der Pfleger war ein besonderer Gönner des Wagner. Wahrscheinlich hat er von diesem immer bäuerliche Naturalien erhalten, bei seiner Einkehr im Wald, anläßlich der vielen Jagden, die vom Schlosse aus durchgeführt wurden. Im Jahre 1670 beschwerten sich die Waldmünchener Bürger und Müller, dass sich der Wagner immer Wasser aus dem Stadtbache abzweige und sie nicht nach "Notdurft" mahlen könnten. Der Wagenhofbauer brauchte jedoch auch Wasser, um seine Mühle zu betreiben und den Wintervorrat an Mehl anzuschaffen. In der damaligen Zeit muß es sicherlich sehr schwer gewesen sein, im Winter in die Stadt zu gelangen, darum mußte im Sommer fleißig für Vorrat gesorgt werden; denn die Winter waren sehr lange. So berichtete uns der Chronist, dass in so einem Winter nicht selten bis zu fünf Meter Schnee lagen. Auf den Protest der Waldmünchener, wollte der Rentmeister selbst "Augenschein" nehmen. Der Pfleger Weygl hintertrieb dies, da durch die Neuordnung und Hoferrichtung des Wagner wohl auch für ihn einiges abfiel. Die Waldmünchener beschwerten sich nun abermals über das Treiben des Wagenhofbauern. Der Hans Wagner hat gegen 100 Tagwerk Wald abgetrieben, obwohl ihm nur 40 Tagwerk erlaubt seien, er hat das Holzabtreiben meisterlich gelernt, so sagen sie! Er haut die Rinde zuvor rund um den Stamm herab, dann haut er ein Stück in den Baum, bis zum Kern, macht ein Feuer, so daß sich der Kern nicht entzündet. Wenn er einen ganzen Baum durchgebrannt hat und sechs oder mehrere solche "Paumb" (Bäume) durch "Ausbrennen" hingerichtet hat, so fällt er einen anderen nebenstehenden, der die ausgebrannten niederschlägt. Er richtet so an Grund und Boden, sowie an Bau- und Brennholz, großen Schaden an: So führen sie Klage gegen ihn. Außerdem hat er einen Weiher bei seinem Wohnhaus zum Wässern der Wiesmathen geschüttet und läßt das Wasser aus dem Stadtbach dahin, zu großem Schaden der Stadt und der drei Stadtmüller sowie der "Hofmühle"; dies ist wider altes Herkommen! Auch richtet er durch sein Viehtreiben (Rinder und Geißen) großen Schaden an. Er durchstreift alles bis aufs Böhmische, er läßt nicht ein "Stamblein" weniger ein Gräslein aufkommen. Aus diesen Beschwerden der Waldmünchener dürfte wohl auch der Neid herauszuhören sein; denn was hatten sie in Waldmünchen, und was für einen Besitz hatte er! Der Pfleger von Muffel, der Nachfolger des Weygl, erwiderte den Waldmünchenem auf ihre Beschwerde, dass er in dieser Sache nichts machen könne, da dies altes Erbrecht sei. Er halte zwar ihr Anliegen nicht für unbillig, und sie sollten sich an die Regierung wenden. Die Bürger beschwerten sich nun bei der Regierung, dann ruhte die Sache fünf Jahre, also muß die sogenannte "Belästigung" des Wagner nicht so groß gewesen sein. Endlich erneuerten die Waldmünchener im Jahre 1675 ihre Beschwerde. Darauf erließ die Regierung an den Pfleger einen scharfen Befehl: "Er solle, dem bereits am 9. November 1670 erteilten Befehl gemäß, seine Verantwortung mit Berichterstattung einsenden." Hier sieht man, dass die Pfleger die Beschwerden der Waldmünchener überhaupt ignorierten. Der Pfleger mußte nun den Gerichtsschreiber, den Magistrat und die drei Stadtmüller zum Wagenhof schicken, um Augenschein zu nehmen. Hier stellten sie fest, dass der Wagner tatsächlich statt 40, gleich gegen 100 Tagwerk Wald abgetrieben hatte. Die Waldmünchener baten nun aufs Neue (20.10.1676) bei der Regierung, dem Wagner zu untersagen, der Stadt Schaden zu machen. Das Burgtum gebe doch 106 Gulden Zins, auch die Stadtmüller hätten Zins und andere Schuldigkeiten zu erbringen. Dieses sagten sie, sei doch wertvoller fürs kurfürstliche ärar, als der einzige Wagenhof. Man wird sich wahrscheinlich geeinigt haben damals; denn von weiteren Urkunden ist nichts mehr bekannt. Heute ist vom Wagenhof nur mehr der Weiher geblieben, auch von den Überresten der Gebäudlichkeiten kann man nicht mehr viel sehen, der Wald hat alles wieder überwuchert. Die Mühle stand links von der Forststraße, kurz vor der heutigen Grenzerhütte. Der Wald rechts davon, zum Wagenhof, ist in den letzten Jahren abgeschlagen worden (fast wie zu Wagners Zeiten), heute ist jedoch der Forst dafür zuständig. Ein Feldkreuz am Eingang der Waffenschleife (rechts am Gartenzaun des Anwesens Gruber) erinnert noch heute an den letzten Wagenhofbauern (Bock 1863) zum Gedenken an sein Sterbejahr.
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(1 Tagwerk = 3333 qm)


Der Kramberg

Er ist die älteste Höhensiedlung im Böhmerwald. Bereits 1549 erfolgte die erste Nennung, der damalige Besitzer ist ein Michell Rodauscher. In der Jahresrechnung von 1584/85 werden beim Kramberg zwei Höfe genannt. Sie gehören dem Heinrich Hofmann, bewirtschaftet werden sie von einem Peter Zeidler. 1607 ist der Kramberg eine "Ödlent", also nicht mehr bewirtschaftet. Im Jahre 1699 - 1707 tauchen jedoch wieder zwei Güter auf, die im Besitz eines Hans Grävogel, heutige Schreibweise Grauvogel, sind. Von da an bestehen beide Anwesen, aber immer von einem bewirtschaftet. Erst 1772 gehört je ein halber Hof einem Dirschedl (Haus No. 2, mit noch vorhandenem Keller) und einem Bauer (Hs. No. 1, direkt am Cherkovsteig). Das Anwesen wurde demnach geteilt. Das gesamte Areal der Kramberghöfe betrug 116 Tagwerk und wurde 1854 und 1861 ebenfalls an den Staat verkauft.
Georg Bauer hatte 62 Tagwerk, er verkaufte den Hof 1854 an den Staat und erlöste dabei 4.188 Gulden. Sebastian Dirschedl hatte 54 Tagwerk, er verkaufte den Hof 1861 ebenfalls an den Staat und konnte 4.045 Gulden dafür erzielen. Dirschedl kaufte sich dann etwas außerhalb Waldmünchens ein Haus (in Buchwalli) und ließ sich dort nieder. Bauer kaufte sich in der Stadt ein Haus (heute Schulstr. 15, Hausname: Kramberger).
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Der Ebenhof

Den ehemaligen Ebenhof erreicht der Wanderer heute am besten wenn er von der Teufelsbrücke links abbiegt, auf der Forststraße zum Arnstein. Gleich der nächste Weg rechts, das sog. "Moierstraßl" (von Meier, dem letzten Besitzer) bringt uns direkt auf die "Eben", ein Wildacker, der bei allen Höhensiedlungen im Böhmerwald vom Forst errichtet wurde, führt uns auf dem Wanderweg "W 16" direkt am Ebenhof vorbei. Bei der Rückwärtigen Umfassungsmauer des Ebenhofes, die noch sehr gut erhalten ist, führt uns der Weg linker Hand in die Hofstelle des Ebenhofes. Seine ehemaligen Anlagen sind noch am besten zu erkennen. Dieser Hof wird 1772 unter Arnstein das erste Mal genannt. Davon besitzen Sebastian und Lorenz Ruhland (Grodl) je einen Halbhof und Mathias Ruhland einen achtel Hof, auf der "Eben" genannt. Am 11. März 1854 wird ein Xaver Meier als Ebenhofbesitzer genannt, es wird Viehwirtschaft betrieben. Der Forst will auch diesen Hof aufkaufen, ein Kauf kommt jedoch nicht zu Stande. Erst am 10. September 1859 wird der Ebenhof zunächst nochmals an Privathand verkauft, wobei das Ehepaar Meier 500 Gulden mehr erzielt, als ihm der Forst 1854 bieten konnte. Erst am 28. September 1876 geht auch dieser Hof, gegen eine Summe von 3.700 Mark, an den Forst über. Er war der kleinste aller Höfe im Böhmerwald und hatte nur 15 Tagwerk Grund. Die Gebäudlichkeiten aller Höfe werden nach der übernahme vom Forst niedergelegt und die Gründe aufgeforstet. Ein Stadel von einem der Höfe (Wagenhof) wird abgebaut und in Waldmünchen bei Ketterl in der Böhmerstraße 42 wieder aufgestellt. Dort kann man noch die Jahreszahl (1796) in einem Balken eingehauen finden.
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