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Der Sonnhof - eine ehemalige Höhensiedlung

Text einer Informationstafel vor Ort, am ehemaligen Standort des Sonnhofes.
Autor: Prof Dr. Dietrich J. Manske, Institut für Geographie an der Universität Regensburg
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors



Schwer vorstellbar ist es, dass wir uns hier auf den Resten einer ehemaligen Hofstelle befinden, die über 300 Jahre bewirtschaftet war.


Erste urkundliche Erwähnung 1579

Aufgrund der Grenznähe war diese Region immer wieder Schauplatz kriegerischer Auseinandersetzungen. Im Landshuter Erbfolgekrieg z.B. wurde viele Orte verwüstet. Im Anschluß an diese unruhigen Zeiten setzte Mitte des 16. Jahrhunderts eine großangelegte Binnenkolonisation ein, die um 1560 ihren Höhepunkt erreichte. Pfalzgraf Kasimir gestattete 1550 dem Pfleger von Waldmünchen, die Glashütte auf dem Gut Herzogau neu zu errichten und verlieh sie ihm zusammen mit dem Sonnhof erblich.


Bewirtschaftung und Besitzverhältnisse auf dem Sonnhof

Aus der Auswertung vieler Urkunden und Katasterpläne geht hervor, dass der Anteil der landwirtschaftlich genutzten Flächen im Vergleich zum Wald früher größer gewesen sein muß. So erstreckte sich die Feldflur von Herzogau wesentlich weiter nach Osten und nach Südosten in Richtung auf das Klammerfelsenmassiv hin. Lange Feldsteinreihen, Ackerterrassen zeugen noch von einer Höhenlandwirtschaft zwischen 600-800m.


Alle Höfe betrieben Ackerbau und Viehzucht.

Die Amtsrechnung von 1650 gibt Aufschluß darüber, dass auf den Höhensiedlungen vor allem Hafer angebaut wurde, während der Kornzehent aus den günstig gelegeneren Dörfern kam. Der Getreideanbau war demnach vorrangig für die Eigenversorgung gedacht. 1613 soll der Sonnhof 32 Tagwerk besessen haben. 4 Tagwerk Felder, auf denen vor allem Hafer angebaut wurde, der Rest war vermutlich Weidefläche. Die Weideflächen waren zur Abgrenzung vom Wald mit hohen Steinmauern umgeben, die als Wildschutz dienen sollten. Während die übrigen Höhensiedlungen wie der Kramhof oder der Wagenhof bereits um 1772 geteilt wurden, geschah dies für den Sonnhof erst um 1833 aufgrund eines höchsten Dekretes der königlichen Regierung. Die zwei Höfe erhielten die Brüder Johann und Andreas Eisenreich. Im Jahre 1834 wurde der Hof Nr. 2 errichtet. Doch bereits 1837 kaufte Andreas Eisenreich den zweiten Viertelhof wieder von dem zweiten Mann seiner Schwägerin, sodaß der Sonnhof ab 1837 wieder vereint war.


Welle der Verwüstung

Zu den Wüstungsperioden von 1283 und 1510 gesellte sich um 1850 eine weitere hinzu. Den Verwüstungen ab 1850 gemeinsam ist, dass davon ausschließlich Höhensiedlungen betroffen waren. Grundsätzlich handelte es sich um kleine Streuweiler, die über 700m hoch lagen und ringsum von Wald umgeben waren. In der Regel waren sie alle nach Süd-Südwesten exponiert. Bemerkenswert ist außerdem, dass sie räumlich voneinander getrennt gelegenen Höfe alle annähernd zur gleichen Zeit aufgegeben wurden.


Die Bergbauern und der Wald

Die Ursache für das Verlassen der Bergbauernhöfe liegt nicht in den ungünstigen Produktionsbedigungen wie z.B. ungünstiges Klima, Vielmehr kann als Grund gelten, dass die auf den Höhen ruhenden Forstrechte wie Waldweide, Streunutzung, Holz- und Triftrechte eingeschränkt bzw. aufgehoben wurden. Immer wieder kam es zu Auseinandersetzungen zwischen den Bauern die ihre alteingesessenen Rechte nutzen wollten und dem Forstamt. F#252;r die Bergbauern war die Einschränkung der Streu- und Weiderechte ein gravierender Punkt. Die Waldweide bedeutete nämlich für sie die Sommerfütterung und die Grundlage für die Düngerbereitung. Das Futter der Wiesen diente ihnen vor allem als Winterfutter. So wurde den Bauern Zug um Zug ein Teil ihrer Existenzgrundlage entzogen, da sie wegen der isolierten Lage nicht auf andere Flächen ausweichen konnten. Der Wald erlangte zu dieser Zeit eine neue Wertschöpfung von einer unnutzen Hutung für das Weidevieh zu einem forstwirtschaftlichen Produktionsmittel. Durch die Eisenindustrie war Holz nämlich zu einem knappen Gut geworden. Die z.T. hohe Verschuldung einzelner Bauern gab dann nur noch den letzten Anstoß.


Der Sonnhof - die letzte Höhensiedlung, die aufgegeben wird

Im Zeitraum zwischen 1850 - und 1875 werden alle Höhensiedlungen verkauft und gingen in den Besitz der Bayerischen Staatsforstverwaltung über. Die Besitzer des Sonnhofs verkaufen ihr Anwesen an den Freiherr Nepomuk von Voithenberg. Während die anderen Höhensiedlungen von den Forstämtern aufgeforstet wurden, blieb der Sonnhof einige Zeit davon verschont. Deshalb ist auch der heute auf dem Areal des Sonnhofs stockende Wald wesentlich jünger als der Bewuchs auf dem Gelände der anderen Höhensiedlungen. Heute erinnern noch einige Mauerreste an die ehemals stattliche Höhensiedlung, deren Gebäude vermutlich am Osthang lagen, dadurch viel Sonne erhielten und sich zum Gleißenberger Kessel öffneten. Die nahe am Haus gelegene Quelle ist noch durch einen mit Farn und Weidengehölzen bewachsenen Quellaustritt zu erahnen.


Quelle:
Prof. Dr. Dietrich J. Manske
Universität Regensburg
Institut für Geographie
"Zur Frage der Höhensiedlungen im südöstlichen Oberpfälzer Wald"



der Bereich des ehemaligen Sonnhofs, nahe Herzogau



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