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Ein romantischer Spaziergang durchs Vydratal

Von Antýgl über die Turnerova chata zur Čeňkova pila

Der kleine Ort Antýgl, am rechten Ufer der Vydra ist unser Ausgangspunkt. Bereits 1525 war hier eine Glashütte gegründet worden, die zunächst nur einen Schmelzhafen besaß (einen Schmelztiegel , bayrisch: „an Tiegl“), woraus sich der Name abgeleitet hat. Sehenswert ist der im Original erhaltene Hof der „Künischen Freibauern“, deren Wahlspruch war:
„Niemands Herr und niemands Knecht, das ist künisch Bauernrecht!“

Ein großer gebührenpflichtiger Parkplatz steht uns gegenüber der historischen Gebäude zur Verfügung. Die nächstgrößere Ortschaft Srní / Rehberg, liegt etwas mehr als 5 Kilometer nördlich. Zu erreichen ist Antýgl über die Grenzübergänge Bayerisch Eisenstein (38,9 km entfernt) und Philippsreut (35,9 km).

Zu Beginn unserer gemütlichen Wanderung hat die junge Vydra schon fünf Kilometer hinter sich gebracht. Sie bildet sich aus dem Modravský potok, dem Roklanský potok und dem Filipohuťský potok beim Ort Modrava / Mader und wird uns die ganze Stecke lang begleiten. Nur 23,1 Kilometer ist sie lang, ehe sie sich in der Nähe der Čeňkova pila / Vinzenzsäge mit der Křemelná zur Otava vereinigt, aber an wilder Ursprünglichkeit weit und breit nicht zu überbieten ist.
Lediglich 350 Meter folgen wir der geteerten Straße nach Norden, Richtung Srni. In der Nähe der Brücke beginnt ein bequemer Wanderweg am rechten Flussufer, welchem wir weiter folgen (km 0,3). Er ist durchgängig bestens gepflegt, auch für Kinderwägen geeignet und mit einem roten Streifen auf weißem Grund markiert. Von Osten fließt der Hamerský potok mit lautem Getöse in die Vydra. Bereits von hier hat man einen guten Blick auf das Flussbett mit seinen gewaltigen, abgerundeten Steinblöcken. Der berühmte Schriftsteller Karel Klostermann (1848–1923), beschreibt die Gegend, in seinem Buch Böhmerwaldskizzen, treffend mit den Worten:
„Unten braust der Fluss meilenweit hörbar, seine klaren Wellen schäumend und brüllend an den zahllosen mächtigen Felsblöcken brechend, die sein Bett ausfüllen. Die braune, an tiefen Stellen purpurschwarze Flut scheint aufgelöst in silbernen Schaum, die mächtigen Geröllstücke sind oft kugelförmig abgeschliffen und sonderbar ins Innere hinein ausgewaschen… Man kann sich keinen Begriff machen von den Toben und Brüllen der Wasser, wenn im Frühjahr das Bett des Flusses gefüllt ist.“

Weiter flussabwärts treffen wir auf eine Brücke (km 1,8). Von Ihrer Mitte lässt sich das wilde Wasser, wie es durch die gewaltigen und schier unzählbaren Steinblöcke rauscht, gut beobachten. Wir bleiben am rechten Flussufer. Besonders interessant sind auch die sogenannten Riesentöpfe. Bei sehr starker Strömung wirbelt manchmal sich drehendes Gestein auf der Oberfläche eines größeren Felsen im Kreis herum und schleift sich so im Laufe der Zeit in diesen hinein. Es entstehen runde Vertiefungen in denen oft genug noch die runden Kiesel liegen welche sich bei jedem Hochwasser weiter ins harte Granitgestein fressen. Nach jeder Windung bietet sich eine neue, ungeahnte fantastische Perspektive ehe wir auf die Turnerova chata, die Turnerhütte treffen die uns zu einer Rast einlädt (km 3,2).
1908 hat die Gemeinde Kašperské Hory sie errichten lassen, benannt nach dem Erbauer der Straße durch die wilde „Schachtelei“, wie die Gegend früher auch genannt wurde. 1932 abgebrannt, wurde das Gasthaus erst 1938 wieder aufgebaut und 1998 aufwändig saniert.
Direkt an der Hütte mündet der Zhůřský potok in die Vydra. Auch hier und im weiteren Verlauf, bieten sich immer wieder phänomenale Blicke auf das urige Flussbett. Nach einer guten Stunde ab der Turnerova chata, erreichen wir die Čeňkova pila / Vinzenzsäge
(km 7,0). Um 1720 war hier eine Mühle errichtet worden welche dann 1856 von Čeněk Bubeníček zu einer Säge und letztlich 1912 zu einem Wasserkraftwerk umgebaut wurde und heute als technisches Denkmal geschützt ist. Das Dorf ist immer noch der Wasserkraft verbunden. Das ein klein wenig flussaufwärts liegende neuere Elektrizitätswerk aus den Jahren 1934 -38 kann ebenfalls besichtigt werden. Es hat eine Leistung von
6,4 MW. Das Wasser für die Turbinen bringt eine unterirdische Rohrleitung aus dem Chinitz-Tettauer Schwemmkanal heran. Joseph II. von Schwarzenberg ließ diesen, unter der Leitung des Forstingenieurs Joseph Rosenauer, 1799 bis 1800 anlegen. 13,6 Kilometer ist der Flößgraben lang und mit seiner Hilfe konnte damals der für die Holztrifft nicht nutzbaren Flussabschnitt der Vydra umgangen und der Holzreichtum des Oberlaufs weiter in Richtung Moldau gebracht werden.
Auch die musikalische Moldau des genialen Komponisten Bedrich Smetana (1824 - 1884) soll hier der Legende nach ihren Urspung haben. Bei einem Besuch im Sommer 1867 sei er hier zu seiner Komposition inspiriert worden.
Etwas unterhalb des historischen Wasserkraftwerks bildet der Zusammenfluss der Vydra mit der Křemelná die Otava (km 7,5).

Für den Rückweg besteht die Möglichkeit den Linienbus zu benutzen. (Link zum Fahrplan)




Wanderreitkarte, Openstreetmap auf neuer Seite



Länge ca.: 7,5 km
Summe Gefälle: 277 m
Höchster Punkt: 908 m

GPX-Datei zur Route:
32_Vydra.gpx





Die Routen wurden anhand verschiedener Daten erstellt, teils selbst erfasst, teils mit Hilfe freier Karten erstellt.
Sie können vom tatsächlichen Geländeverlauf abweichen und dienen nur als Anhalt.
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