waldberge.de Landschaft & Fotografie Faszination Bayerischer Wald und Böhmerwald
Home>Nationalpark Šumava


Wilde Wasser, Goldwäscher und der Goldenen Steig

Von Antýgl (Antigel) über die Turnerova chata (Turner Hütte) nach Horská Kvilda (Innergefild)

Manche Lebensmittel werden heute über tausende Kilometer zum Verbraucher gebracht. Trotzdem ist der Handel attraktiv. Wie lange mag zu Zeiten von Karren und Pferdewagen so ein Transport von für uns selbstverständlichem Gut wie Salz gedauert haben? Und wie kostbar war das Weiße Gold wenn es aus den Alpen ins Nachbarland gebracht wurde? Auf drei Routen führte der mittelalterliche Handelsweg, der „Goldene Steig“, von Passau nach Böhmen. Unsere Tour trifft heute ein Teilstück der nördlichen Route.

Der kleine Ort Antýgl (Antigel) nahe Srni (Rehberg) ist unser Ausgangspunkt.Er liegt knapp 40 Kilometer vom Grenzübergang Bayerisch Eisenstein entfernt. Gegenüber des historischen Hofs steht ein großer gebührenpflichtiger Parkplatz zur Verfügung. Für einen PKW sind 70 Kronen in Münzen zu bezahlen.

Der eindrucksvolle, denkmalgeschützte Hof wurde schon um 1500 erwähnt. Er wurde von den Künischen Freibauern besiedelt, deren Wahlspruch war: „Niemands Herr und niemands Knecht, das ist künisch Bauernrecht!“
Nur knappe 300 Meter, sanft bergab, der Teerstraße entlang, treffen wir bei einer Brücke, auf die rote Markierung welcher wir flußabwärts folgen. Der Fluss Vydra (Widra) ist an wilder Schönheit kaum zu überbieten. Die rießigen Felsblöcke im braunen, aber klaren Wasser sind ein einzigartiges Naturschauspiel. Eine Fußgängerbrücke ermöglicht später einen freien Blick auf das wilde Getöse. (km 1,8) Wir bleiben auf der rechten Flußseite und erreichen die Turnerova chata. Die Turnerhütte wurde 1908 von der Gemeinde Kašperské Hory (Bergreichenstein) errichtet. (km 302) Sie ist nach dem Erbauer der Straße durch die wilde „Schachtelei“, wie die Gegend früher auch genannt wurde, benannt. 1932 abgebrannt, wurde das Gasthaus erst 1938 wieder aufgebaut und 1998 aufwändig saniert. Direkt an der Hütte mündet der Zhůřský potok (Pucherbach ) in die Vydra (Widra), welchem wir, nun mit gelber Markierung, folgen. Vorbei an einem kleinen Wasserfall und immer am Bachlauf entlang, geht es stetig bergauf bis zur offenen, weiten Fläche von Hluboká (Tiefenthal). Von der ehemaligen Glashütte ist nichts geblieben. Einzig ein paar Steinmauern im nahen Wald deuten auf die ehemalige Besiedlung hin. Am oberen Wiesenrand bietet sich ein imposanter Blick auf den gegenüberliegenden Rachel, ehe wir die Straße nach Horská Kvilda (Innergefild) erreichen der wir weiter folgen. (km 5,8) Oberhalb der Straße befand sich zur Zeit des Kalten Krieges eine Kaserne mit einem Hubschrauberstützpunkt, der der Abhörstation am Poledník (Mittagsberg) angegliedert war. Auch von diesen Bauten blieb, wie auch vom ehemaligen Dorf Zhůří (Haidl) , welches sich hier oben befand, außer ein paar Mauer- und Fundamentreste, nichts übrig. Die Straße bringt uns rasch nach Süden, am Waldrand wechseln wir die Markierung und folgen nun der grünen.

An einer sanften Linkskurve führt unsere Route geradeaus weiter in den Wald. (km 7,8) Rasch werden die Ränder des Weges immer höher. Die Hohlgasse in der wir uns nun befinden, war Teil des Goldenen Steigs, der von Passau über Mauth nach Horská Kvilda (Innergefild) und weiter nach Kašperské Hory (Bergreichenstein) führte. Den größten Aufschwung erlebte der Handelsweg in der Zeit vom 14. bis zum 16. Jahrhundert mit dem Transport von Salz. Der Wald weicht nun einer weiten Wiese und wir erreichen Horská Kvilda (Innergefild). 1577 wird die Ortschaft das erste Mal schriftlich erwähnt, erste Hinweise auf die Siedlung gibt es bereits aus dem 14. Jahrhundert. Heute leben in dem Dorf etwa 75 Einwohner, zur Blütezeit waren es einmal über 600. Viele Geschichten erzählen vom Rankl Sepp, dem wohl berühmtesten Einwohner. Er lebte von 1819 bis 1888 und muss ein wahrer Hüne gewesen sein. Josef Klostermann, wie er eigentlich hieß, hatte eine Größe von 213 Zentimeter und war ein Verwandter des Schriftstellers Karel Klostermann, der die gutherzige Seele im Roman "Im Paradies des Böhmerwaldes" verewigte. Dieser spielt auch im Polaufs Gasthaus, dem heutigen Hotel Rankl. (km 9,5)

Genau dort führt uns nun die blaue Markierung hinab zum Hamerský potok dem Hammerbach. Im Talgrund sind auffällig viele Hügel erkennbar. Sie stammen noch aus der Zeit als im im 13. und 14. Jahrhundert das Gold abgebaut wurde welches sich hier in den Sanden abgelagert hatte. Ein gepflegter Wanderweg geleitet uns, immer am Bachlauf entlang, bergab. Mit ewas Glück lässt sich sogar die seltene Wasseramsel bei der Beutesuche erleben. Bei der Mündung in die Vydra (Widra) treffen wir wieder auf die rote Markierung und nach wenigen Schritten flußaufwärts sind wir wieder am Ausgangspunkt. (km 13,8)



Wanderreitkarte, Openstreetmap auf neuer Seite



Länge ca.: 13,8 km
Summe Steigungen: 348 m
Höchster Punkt: 1157 m

GPX-Datei zur Route:
32_Vydra-Kvilda.gpx





Die Routen wurden anhand verschiedener Daten erstellt.
Teils selbst erfasst, teils mit Hilfe freier Karten erstellt.
Sie können vom tatsächlichen Geländeverlauf abweichen und dienen nur als Anhalt.
Die Nutzung erfolgt auf eigene Gefahr.
www.waldberge.de übernimmt keinerlei Haftung für Inhalt und Richtigkeit
der Beschreibung, der Karte und der GPX-Datei.



>zum Seitenanfang
Akzeptieren

Diese Website verwendet Cookies. Durch die Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich damit einverstanden, dass Cookies gesetzt werden. Mehr erfahren