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Stille Seen im Künischen Gebirge

Špicak - Čertovo Jezero / Teufelsee - Černe Jezero / Schwarzer See – Špicak

Mit dem Bau der Eisenbahn von Pilsen nach Železná Ruda begann Ende des 19. Jahrhunderts der touristische Aufschwung für den kleinen Ort Špicak. Pensionen und Hotels folgten, selbst in der Zeit des Eisernen Vorhangs konnte die Region ab den 1960-Jahren wieder besucht werden. Trotz des großen Zulaufs, findet man an den Ufern der beiden Seen, welche sich ganz in der Nähe befinden, ruhige und beschauliche Flecken in unserer hektischen Zeit.
Der im August 2015 freigegebene Parkplatz am oberen Ortsrand von Špicak, ist ein guter Ausgangspunkt um die beiden Gletscherseen zu besuchen und ist bisher gebührenfrei. Alternativ bietet sich die Anreise mit dem Zug an.
Am unteren Ende des Parkplatzes führt ein neu angelegter Weg hinauf Richtung Špičácké sedlo und trifft dann direkt an der Hauptstraße auf die weiß-gelbe-weiße Markierung welcher wir nach Westen, Richtung Čertovo jezero / Teufelssee folgen. (km 0,4) Startet man am Bahnhof ist es die weiß-blau-weiße Markierung, welche nach steilem Aufstieg ebenfalls auf die gelbe Markierung trifft. Wir überqueren die Skipisten an deren Rand sich im Sommer die Downhill-Mountainbiker austoben. Auf einer steilen Abfahrt, waghalsigen Brücken und Rampen die weite Sprünge herausfordern, rasen die Radler ins Tal. Sie lassen sich mit dem 2005 neu errichteten Vierer-Sessellift samt Rad nach oben bringen und genießen die Abfahrten. Unser Weg ist nicht ganz so spektakulär, gut gepflegt und naturverbunden. Es gibt zwar auch hier Holzbrücken, welche aber das etwas steilere und unwegsamere Gelände, kurz vor dem See, ausgleichen. In diesem Bereich erkennt man, bei genauerem Hinsehen, einige Bodenwellen aus lockerem Gestein. Es handelt sich dabei um die Endmoränen eines ehemaligen Gletschers welcher in der letzten Kaltzeit, der Würmeiszeit ( vor ca. 115000 bis 10000 Jahren ) vom Jezerní hora / Seewand herunter kam. Durch die Verformungen, welche die Eismassen verursachten, und durch die zurückgeblieben Moränen, entstanden später die beiden Karseen. Der Teufelssee liegt auf 1030 m über N.N. und hat eine Fläche von 10,3 ha, er ist 36,7 m tief. Allerlei Sagen, Geschichten und Gerüchte ranken sich um den See. (km 2,3) So sei es vor langer Zeit zwischen den Burgherren auf den Ossergipfeln zum Streit gekommen. Der Raubritter verlangte die Tochter des edlen Burgherren zur Frau. Als diese ablehnte und sie der Bösewicht daraufhin verschleppte, befreite sie der Edelmann. Zur Strafe versank der damalige dritte Ossergipfel, mit samt der Raubritterburg und der Teufelssee war entstanden. In der Nachkriegszeit tauchte das vage Gerücht auf, der See hätte als Testfläche für Bombenabwürfe gedient, was in Anbetracht der Grenznähe wohl kaum möglich war. Dass aber eine Vielzahl an Waffen aus dem See geborgen wurde, entspricht den Tatsachen.
Von all diesen rauen Zeiten spürt man heute nichts mehr. Eine Bank lädt zum Verweilen. Interessanter Weise ist es meist auffällig ruhig, selbst wenn sich eine größere Anzahl an Besuchern am Ufer aufhält und das beeindruckende Panorama genießt. Dieses Phänomen lässt sich auch am Černe jezero / Schwarzer See beobachten, zu dem wir anschließend aufbrechen wollen.
Ein kleines Stück geht es wieder zurück bis sich die rote Markierung von der gelben trennt. (km 2,6) Wir folgen dem roten Streifen, steil bergauf zum Sattel in der Nähe des Rozvodi (1189 m). Dieser Bergrücken bildet auch die europäische Hauptwasserscheide. Das Wasser des Teufelssees fließt über Regen und Donau ins Schwarze Meer. Der Černy potok, der dem Schwarzen See entspringt, fließt in die Uhlava und weiter über Moldau und Elbe in die Nordsee. „Rot“ bringt uns dann auch wieder hinunter ins Tal. Auf der eigenartig, schnurgeraden Trasse war früher der stark bewachte Grenzzaun installiert, der nach der Samtenen Revolution demontiert worden ist.
Kurz vor dem Černe jezero / Schwarzer See überwinden wir eine Bodenwelle: Auch sie ist ein Relikt aus der Eiszeit, es handelt sich um eine Seitenmoräne des Gletschers, der auch das Becken für den See ausgeschürft hat.
Der größte natürliche See der tschechischen Republik mit seinen18,5 ha Fläche und einer beachtlichen Tiefe von 39,8 m wird von der Seewand überragt. (km 5,0) Sie steigt über 300 Meter auf und ist bis zu 65 Grad steil. Der See liegt auf 1008 m über N.N. und dient seit 1930 auch als oberes Speicherbecken eines Pumpspeicherkraftwerkes. Das untere Becken mit dem Kraftwerk befindet sich auf 730 m Höhe, im Tal der Uhlava und ist bis heute in Betrieb. Am nördlichen Ufer ist es möglich am See entlang zu wandern, bis zu jener Stelle an der sich um 1900, ein Pavillon befand. (km 5,5)
Beide Seen liegen in einem bereits 1911 vom Prinzen von Hohenzollern, dem damaligen Grundbesitzer, eingerichteten Schutzgebiet mit einer Fläche von 152 ha.
Der damals aufblühende Tourismus kam in den Kriegswirren zum Erliegen und das Gebiet war in den 1950-Jahren nicht mehr zugängig. Erst in den 1960-Jahren lockerte sich diese Regelung wieder und der tschechoslowakische Geheimdienst nutzte diese Gelegenheit. Vier sorgfältig präparierte Kisten wurden im See versenkt und unter großem Medienaufgebot wieder geborgen. Sie enthielten Dokumente mit Namen damaliger, westdeutscher Politikern deren Zusammenarbeit mit der Waffen-SS oder der Gestapo im Zweiten Weltkrieg, so belegt werde konnte. Es folgten einige Selbstmorde, manche Personen verschwanden still aus dem politischen Geschehen. Aufgeflogen ist die Operation Neptun als der Leiter des Unternehmens, Ladislav Bittman, im August 1968 in die USA floh und in einem Buch darüber berichtete.
Der Rückweg ist mit dem weiß-gelb-weißen Zeichen markiert. Eine geteerte Straße bringt uns erste ein Stück bergab und dann nahezu höhengleich mit ein paar Kurven zum Špicak-Sattel. Etwa 2,5km nach dem See befindet sich eine Infotafel über Prof. Dr. J.Komarek der bereits 1946 anregte den Nationalpark Sumava zu gründen. Wenig später gelangen wir zu einem großen Parkplatz und zum Hotel Karl. Auf der gegenüberliegenden Wiese (km 9,7) führt uns die rote Markierung zum Waldrand hinunter und überquert später die Straße. Der rote Streifen zweigt schließlich nach rechts ab, wir aber folgen dem nahe der Hauptstraße ins Tal führenden Weg und erreichen bald unseren Parkplatz. (km 10,5)

Sind wir mit der Bahn angereist, bringt uns die rote Markierung vom Špicak-Sattel direkt zum Bahnhof.




Wanderreitkarte, Openstreetmap auf neuer Seite



Länge ca.: 10,5 km
Summe Steigungen: 239 m
Höchster Punkt: 1162 m

GPX-Datei zur Route als Zip-File zum download:
29_Teufelssee.zip





Die Routen wurden anhand verschiedener Daten erstellt, teils selbst erfasst, teils mit Hilfe freier Karten erstellt.
Sie können vom tatsächlichen Geländeverlauf abweichen und dienen nur als Anhalt.
Die Nutzung erfolgt auf eigene Gefahr.
www.waldberge.de übernimmt keinerlei Haftung für Inhalt und Richtigkeit der Beschreibung, der Karte und der GPX-Datei.



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