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Zu romantischen Waldwiesen - die große Schachtentour

Buchenau - Lindberger Schachten - Kohlschachten - Großer Schachten - Almschachten - Verlorener Schachten - Buchenau

Vor über vierhundert Jahren begann man damit dem damals dichten Wald mühsam freie Flächen abzuringen. Bis hinauf in Hochlagen an der bayerisch böhmischen Grenze, hauptsächlich zwischen Falkenstein und Rachel, aber auch in der Nähe des Lusen, im Arbergebiet und im Lamer Winkel entstanden die Schachten. Sie wurden manchmal auch Platz oder Stand genannt. Von den ehemals über hundert Schachten sind heute noch etwas mehr als 30 vorhanden. Die übrigen hat sich der Wald wieder einverleibt oder wurden wieder aufgeforstet.
Allen gemeinsam ist die Waldweide welche hier über die Sommermonate, in der Regel von Georgi (23. April) bis Michaeli (29. September) betrieben wurde. Meist, im Gegensatz zu den Almen im Gebirge , ist nur das Jungvieh aufgetrieben worden. Butter und Käse wurden auf den Schachten im Bayerischen Wald kaum hergestellt. Die großen, markanten Laubbäume dienten den Tieren als Unterstand bis in den 1960-Jahren der Weidebetrieb eingestellt wurde. Heute werden sie, mit wenigen Ausnahmen, nicht mehr landwirtschaftlich genutzt, aber weiter gepflegt, um ihren ursprünglichen Charakter zu bewahren.
Die anspruchsvolle, da sehr weite Wanderung, führt zu den größten und schönsten Schachten. Sie befinden sich heute im Nationalpark Bayerischer Wald.
Wir starten unsere Tour am Wanderparkplatz in Buchenau, er liegt unterhalb der Kirche direkt am rauschenden Pommerbach. Parkmöglichkeiten sind hier ausreichend vorhanden. Zunächst folgt der mit dem Zeichen "Pestwurz" markierte Weg, dem Bachlauf aufwärts, entfernt sich aber, kontinuierlich ansteigend, immer weiter von ihm. Nach ca. 850 Meter folgt eine Kreuzung mit einer asphaltierten Straße. Wir halten uns links, ein bequemer Wanderweg bringt uns weiter hinauf durch den Hochwald. Drei Forststraßen sind zu überqueren ehe nach ca. 3,5 Kilometer der Wald dem Lindberger Schachten weicht. (km 3,4)
Aus "Schachten am Hirschberg" wurde 1809 der "Lindberger Schachten". Angelegt wurde er bereits 1619 und liegt auf ca. 1100 bis 1200 m Höhe. Um 1830 hatte er eine Größe von über 16 Hektar, heute ist er auf 9,1 ha geschrumpft. Nach über 300 Jahren wurde 1924 die Beweidung eingestellt. Auf der freien Fläche dominiert die Heidelbeere, die im Herbst das Herz der Beerensammler höher schlagen lässt.
Am unteren Ende der ehemaligen Waldweide schleicht sich ein schmaler Pfad weiter Richtung Nord-Ost, in die Gruft, wie diese Waldabteilung genannt wird. Nahezu höhengleich bringt uns der "Horizontalsteig" durch den steil abfallenden Bergwald. Etwa 800 Meter nach dem Lindberger Schachten überqueren wir das "Gruftbachl" (km 4,2) und kommen, durch die "Filzhäng", einer weiteren Forststraße immer näher, folgen ihr ein paar Meter bergauf bis zu einer Kreuzung (km 5,2). Unsere Route, seit dem Lindberger Schachten nun auch mit dem Goldsteigemblem markiert, führt nach rechts, leicht bergab, zur Hischbachschwelle. (km 5,4) Direkt an dem kleinen, bereits verlandenden Teich, der früher zur Holztrift angestaut wurde, zweigt ein kleiner Steig in den Zwieselter Filz ab. Ein Bohlenweg ermöglicht uns das 25 ha große Hochmoor trockenen Fußes zu durchqueren. Viele seltene Pflanzen wie der Sonnentau, eine fleischfressenden Pflanze, welche ihre Nährstoffe auch aus den gefangenen Insekten bezieht, oder das Wollgras mit seinen faserigen Büscheln wachsen hier. Auch Moos- und Rauschbeeren gedeihen hier auf kargem Grund. Einige Moordolinen haben sich gebildet. Diese Teiche mit ganz unterschiedlichen Größen und mit sehr steil abfallenden Ufern, entstehen wenn unterirdische Hohlräume des Moorkörpers einbrechen. Auch der Borkenkäfer hat hier ganze Arbeit geleistet, ein Großteil des alten Baumbestandes rund um das Moor, ist abgestorben. Die vielen Latschen blieben verschont, sie verbreiten ein beruhigendes Grün, bilden einen starken Kontrast zu den abgestorbenen grauen Riesen.
Unser nächstes Ziel ist der Kohlschachten (km 6,8). Er liegt auf etwa 1150 m Höhe und hat eine nahezu ebene Fläche von 7,5 ha. Die Bergwiese wurde 1733 erstmals beweidet und diente bis August 1961 der Viehaufzucht. Eindrucksvoll ist der alte, vom rauen Klima geprägte, Baumbestand. Teils sind es nur noch Fragmente von Bergahornen und Buchen deren bizarre Reste in den Himmel ragen. Oft ist es überraschend aus welchen Stümpfen sich noch das frische Grün ans Licht drängt. Am Boden faulen die abgebrochenen, mit Moos überzogenen Äste langsam vor sich hin. Manche beeindruckende Pflanze, die man hier nie vermuten würde, ist hier zu finden. Die Türkenbundlilie, der Ungarische Enzian, die Arnika und vieles mehr, gedeihen hier. Der Name des Schachten leitet sich wahrscheinlich von der längst verschwundenen Köhlerhütte her.
750m weiter kommen wir zum Latschen See. (km 7,5) Einem stillen, abflusslosen Moorsee mit einer Fläche von ca. 0,1 Hektar. Auch hier führt ein Bohlensteg über die nassen Passagen. In dem sauren, dunklen Wasser haben Fische keine Chance. Faszinierend sind die vielen Libellen.
Ein kurzes Stück wieder zurück, leicht bergab durch die Schluttergasse folgt der Hochschachten. (km 8,0) Er war ursprünglich zusammen mit dem Kohlschachten eine Einheit. Angelegt wurde er ebenfalls 1733 und ist 9,5 ha groß. Nach 1945 war die Fläche mit Stacheldraht eingezäunt und Kunstdünger gestreut worden, um den Tieren genügend Futter anbieten zu können. Hier wurde 1963 die Beweidung eingestellt.
Knapp zwei Kilometer weiter kommen wir zum Almschachten. (km 9,9) Erst 1773 angelegt und bis um das Jahr 1900 auch als Alm benutzt, wurden hier Butter und Käse hergestellt. Er hat eine Fläche von ca. 8,3 ha. Vom oberen Rand reicht ein weiter Blick bis zum Großen Arber. Der letzte Schachten auf unserer Tour, der Verlorenen Schachten, ist knapp ein Kilometer entfernt. (km 11,0) Die 6,6 ha große Fläche ist nach wie vor im Familienbesitz der Freiherrn von Poschinger und eine Enklave im weiträumigen Nationalparkgebiet. Die nicht bewirtschaftete, einfache Hütte wird vom Waldverein Frauenau betreut. Das Seegras hat sich hier ausgebreitet, es wurde früher oft als Polstermaterial verwendet.
Wir gehen zunächst wieder bis zum unteren Ende des Schachten und der Goldsteig begleitet uns noch bis zum sogenannten Judenweg. (km 11,8) Der Name rührt vom früheren Besitzer eines Waldstückes, welches heute in der nahen tschechischen Republik liegt, her. Dieser, teils schnurgerade Steig, bringt uns kontinuierlich bergab zum Forsthaus Schachten. (km 13,4)
Auf einer Forststraße erreichen wir die 1983 fertiggestellte Trinkwassertalsperre Frauenau. Entlang beider Ufer ist es möglich zum imposanten Damm zu wandern. Am nördlichen Ende des Sperrwerks (km 17,8) führt uns eine zunächst noch geteerte und später geschotterte Straße weiter bergab bis zu einer Abzweigung nach rechts, Richtung Buchenau. (km 18,6) Ein Wanderweg, später eine geschotterte Straße mit einer wunderschönen Allee, führen uns, vorbei am 1856 erbauten Herrenschloss, zurück zu unserem Ausgangsort Buchenau. (km 20,5)


Diashow vom Kohl-, Hoch-, Alm- und Verlorenen Schachten






Wanderreitkarte, Openstreetmap auf neuer Seite


Länge ca.: 20,5 km
Summe Steigungen: 504 m
Höchster Punkt: 1176 m

GPX-Datei zur Route als Zip-File zum download:
18_Buchenau-Schachten.zip





Die Routen wurden anhand verschiedener Daten erstellt, teils selbst erfasst, teils mit Hilfe freier Karten erstellt.
Sie können vom tatsächlichen Geländeverlauf abweichen und dienen nur als Anhalt.
Die Nutzung erfolgt auf eigene Gefahr.
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