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Teufelswerk und Himmelsleiter

Waldhäuser, Waldhausreibe - Blaue Säulen - Lusen

Es ist schon ein einzigartiger Berg. Ein Auffälliger. Schon von weitem ist er eindeutig erkennbar an seinem kahlen, steinigen Haupt, der Lusen. Dieses Blockmeer auf seinem Gipfel, entstanden vor 1,8 Millionen Jahren im Quartär, im Eiszeitalter, ist sein Markenzeichen. Erosion, Frostsprengung, Frostverwitterung … aber da gibt es auch noch eine andere Erklärung, mit ein paar Varianten. Da ist zum Einem von Straßenbau die Rede, einer Straße in die Hölle, die er bauen wollte, der Teufel höchst persönlich. Und als er mit seinem Baumaterial unterwegs war und von einem frommen Mann aufgeschreckt wurde, da hat er seinen Karren umgeworfen und die Steine fielen: genau - auf den Lusen. Oder war es eher die Sache mit dem Schatz. Alle Schätze der Welt hatte Luzifer zusammengetragen, einen riesigen Berg, und dann versteckt, mit mächtigen Felsen zugedeckt …
Wir starten unsere Tour am Parkplatz Waldhausreibe oberhalb der Ortschaft Waldhäuser, der bequem mit dem Igelbus im Stundentakt zu erreichen ist und folgen zunächst dem Hauptwanderweg nach Nordwest. Wir sind unterwegs auf dem Böhmerweg einem Teil des Goldenen Steigs. Vor allem der Handel mit Salz hinüber ins Böhmische und Korn herüber ins Bayerische spielten hier, zu seiner Blütezeit im 16. Jahrhundert, eine große Rolle. In erster Linie beeindrucken hier jedoch die abertausende von Gerippe der abgestorbenen Fichten. Etwa Mitte der neunziger Jahre hatte der Borkenkäfer sein zerstörerisches Werk begonnen und ganze Arbeit geleistet. Bis weit hinauf nach Norden, über den Rachel hinweg, ein apokalyptisches Feld an grauen Riesen. Aber der junge, nachwachsende, wilde Wald hat bereits eine beruhigende Größe. Geduld ist angesagt. Nach nicht ganz einem Kilometer erreichen wir die Gläserne Arche. 2003 wurde das aus 480 einzelnen Glasscheiben zusammengesetzte Schiff von Roland Fischer (Frauenau) und Hubert Stern (Spiegelau) entworfen und zusammen mit weiteren Künstlern aus der Region gebaut. Die Hand aus Eichenholz stammt von den tschechischen Holzbildhauern Indra Thomas und Libor Kuzdas. Die Arche hat hier an der Wegkreuzung seit 2008 ihren festen Ankerplatz Gefunden. Nun verlassen wir den Hauptwanderweg in Richtung Norden. Die Grenze (km 2,0) ist unser nächstes Etappenziel. Ein stilisiertes Herz (Projektname: Europas Wildes Herz), ist unsere Wegmarkierung. Kaiser Karl IV. ließ den Handelsweg im 14. Jahrhundert anlegen der hier am "Hochgericht" das Land verließ. Die Waldabteilung heißt noch heute so, wo früher das Landgericht der Burg Bärnstein bei Grafenau tätig war. Die "Blaue Säulen" wird der Grenzübergang und die ehemalige Richtstätte genannt. Bei Missachtung der Gesetze wurden hier zu jenen Zeiten auch Todesurteile vollstreckt. Früher führte der Weg zielstrebig, geradeaus weiter durch das Lusenbachtal, hinüber zum Pürstling / Březník, einem alten Forsthaus, welches 1804 errichtet und 1856 aus Stein neu gebaut wurde. Später diente dieses der Grenzwache als Unterkunft und heute ist dort eine Informationsstelle des benachbarten Nationalparks Šumava eingerichtet und ein kleines Museum zu Ehren des Schriftstellers Karl Klostermann.
Der direkte Weg durch das Tal sollte wieder geöffnet werden, aber das Gericht in České Budějovice hat im Juli 2013 anders entschieden. So bleibt der Weg zum Forsthaus weiter geschlossen.

Unsere Route führt aber nach Südost, der Landesgrenze entlang. Ca. 1,5km sind es hinauf bis zum Markfleckl (km 3,5), jenem markanten Eck an dem die Grenze nach Osten schwenkt. Auch hier hat der junge, neue Wald schon eine beachtliche Größe. Am höchsten Punkt des Grenzverlaufs angekommen, biegen wir nach Westen ab. hinauf zum Gipfel des Lusen (km 3,9). Der Weg verlangt Konzentration auf die Tritte. Am Gipfel erwartet uns eine phantastische Rundumsicht. Rachel und Lusenbachtal mehr im Norden, der Boubin und Dreisessel mehr Richtung Südost, um nur ein paar markante Punkte zu nennen. Das nahegelegene Schutzhaus lädt zur Rast ein. Für den Abstieg wählen wir die "Himmelsleiter", direkt vom Gipfel hinunter, die Direttissima. Schnurgerade über die großen mit Flechten überzogenen Felsblöcke. Nach ca. 1,5km treffen wir wieder auf die Glasarche (km 5,3) und der Böhmsteig bringt uns zurück zum Ausgangspunkt (km 6,3).
Will man sich nach der Einkehr im Schutzhaus den kurzen Aufstieg zum Gipfel sparen, ist der Winterweg eine alternative Route zum Ausgangspunkt.(km 6,3)


Das benutzen der nicht markierten Wege in der Kernzone des Nationalparks
ist nur in der Zeit vom 15.07 bis 15.11 gestattet.
Weitere Info: Einschränkung des Betretungsrechts im Nationalpark "Bayerischer Wald"




Wanderreitkarte, Openstreetmap auf neuer Seite


Länge ca.: 6,3km
Summe Steigungen: 216m
Höchster Punkt: 1373m

GPX-Datei zur Route als Zip-File zum download:
14_Waldhausreibe-Lusen.zip





Die Routen wurden anhand verschiedener Daten erstellt, teils selbst erfasst, teils mit Hilfe freier Karten erstellt.
Sie können vom tatsächlichen Geländeverlauf abweichen und dienen nur als Anhalt.
Die Nutzung erfolgt auf eigene Gefahr.
www.waldberge.de übernimmt keinerlei Haftung für Inhalt und Richtigkeit der Beschreibung, der Karte und der GPX-Datei.



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