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Von altehrwürdigen Schachten, Stürmen und radikaler Veränderung

Scheuereck - Jährlingsschachten - Rindlschachten - Albrechtschachten

Unser Ausgangspunkt ist der Weiler Scheuereck, nahe der Ortschaft Spiegelhütte. Parkmöglichkeiten sind ausreichend und kostenlos vorhanden. Die Tagestour startet gegenüber vom Hirschgehege. Der Goldsteigzubringer (blaues Wegsymbol) leitet uns zunächst sanft ansteigend auf einer Forststraße nach Süden, vorbei an mächtigen Douglasien, zum Totenschädel. Der Ort an dem 1731 eine Waldweide angelegt wurde, hatte bereits vorher diesen merkwürdigen Namen bekommen. Woher diese Bezeichnung stammt ist nicht bekannt. Ob es einen Zusammenhang mit der Lanzenspitze aus der Merowingerzeit (6. Jahrhundert nach Chr.) gibt, welche man in der Nähe Gefunden hat?
Am Schachten schwenkt der Weg nach Osten, verlässt die Forststraße und es geht nun zielstrebig bergauf. Schon bald zweigt der markierte Weg nach rechts ab, wir aber bleiben auf dem direkten Zustieg zum Jährlingsschachten und gehen, nun ohne Markierung, geradeaus weiter. Gewittersturm "Meikel" hat hier am 13.Juli 2011 gewütet und im Nationalpark tausende Festmeter Wurfholz verursacht.
Auffällig gerade zieht der Weg hinauf und nach nicht ganz drei Kilometer haben wir den Jährlingsschachten erreicht und treffen auf den Goldsteig (gelbes Wegsymbol). Der verborgene Schachten wie er auch manchmal genannt wurde, wurde 1622 erstmals erwähnt und hat heute eine Größe von 3,9ha. Um 1830 waren es noch über 10ha gewesen. Jungrinder der Zwiesler Bauern, die "Jährlinge", waren hier den Sommer über auf der Waldweide. Eine Aufforstung im Jahre 1964 wurde später wieder entfernt um den Charakter der Fläche zu erhalten. Bei klarer Witterung, insbesondere im Spätherbst, ist ein Blick bis zu den Alpen möglich. Mehr im Osten sieht man den Polednik, den Mittagsberg. Er ist leicht an seinem markantem Aussichtsturm zu erkennen und ist bereits im Nationalpark Šumava. Zu einer Rast laden der Felsen mit dem kleinen Gipfelkreuz oder die Unterstellhütte ein. Sie ist eine Rekonstruktion der ehemaligen Hirtenunterkunft und wurde 1974 errichtet. Im nördlichen Eck des Schachten, unterhalb der Hütte, führt unser Weg wieder in den dichten Wald. Wir folgen dem Goldsteig. Ein schmaler Pfad mit vielen Wurzeln führt uns zu einer offen Fläche und wenig später zu einer bequemen Forststraße, welcher wir nun folgen. Noch sind die ausgeräumten Käfernester und Sturmflächen, denen wir ab und zu begegnen, klein und überschaubar. Unsere Route führt uns direkt zum Rindelschachten (km 7). Er ist umgeben von grünem Wald und wird ebenfalls bereits 1622 genannt. Seine Fläche beträgt 4,1ha. Hier hatten die Lindberger Bauern früher das Recht je Hof bis zu vier Jungrinder, die Rindl, den Sommer über weiden zu lassen. So hatte der Hirte, wenn alle neunzehn Höfe, dies nutzten, eine stattliche Herde zu beaufsichtigen. Wir folgen weiter der Forststraße und erleben dann nach wenigen hundert Metern ein jähes Erwachen aus der Idylle. Es war der 18. und 19. Januar 2007 an denen Kyrill zuschlug. 60.000 bis 70.000 Festmeter Sturmholz fielen im Erweiterungsgebiet des Nationalparks. 350ha wurden hier verwüstet. 240ha hat man ausgeräumt, wie hier am Rindlloch und manche Flächen, wie oben am Lackenberg, wurden sich selbst überlassen. Der Käfer tat ein Übriges. Der einst dichte Wald ist licht geworden wie des Bettelmanns Rock, diese Prophezeiung des Mühlhiasls ist eingetroffen. Im Gebiet zwischen Rachel und Lusen war in den 80er und 90er Jahren eine ähnliche Situation. Schon vor den berühmt-berüchtigten stürmen Wiebke (1990) und Lothar (1999) war es zu großen Windwurfflächen gekommen. 172ha lagen 1983/84 am Boden als der bayerische Staatsminister für Landwirtschaft und Forsten, Hans Eisenmann, entschied, auf 87ha die Bäume liegen zu lassen. Die Käfer fanden im Sturmholz, praktisch über Nacht, ideale Voraussetzungen und vermehrten sich so zahlreich, dass selbst gesunde Bäume befallen wurden und sich der komplette Hochwald in ein graues Skelett verwandelte. 1999 gibt es 3107ha Totholzflächen zwischen Rachel und Lusen, heute sind es im gesamten Park über 6000ha. So dauerte es eine geraume Weile bis die Naturverjüngung dort wieder ein Maß erreicht hat, dass die Seele des Naturliebhabers wieder beruhigt. Vor allem am Lusen ist aber heute die neue Baumgeneration nun schon deutlich erkennbar. Vergleicht man nun die Ereignisse mit der Situation hier am Fuß des Lackenbergs, kann man leicht abschätzen, wie lange es dauern wird, bis der Anblick wieder versöhnlicher wird. Spannend und interessant ist es allemal die Veränderungen zu beobachten. Wir folgen der Forststraße, die in einem großen Bogen das Rindlloch umgeht und unterhalb vom Bampferfleck treffen wir wieder auf den Goldsteig, der vom Falkenstein herunterkommt. Der grüne Wald hat uns wieder aufgenommen. Langsam geht es bergab und in einer Linkskurve treffen wir auf den Albrechtschachten (km 10,5). Albrechtschachten 1766 wird die Waldweide erstmals genannt, wenn auch in Verbindung mit einem Streit um die Weiderechte. Der nur wenig geneigte Schachten mit seiner günstigen Südhanglage und einer Fläche von 7,4ha (1831 waren es noch 13,3 ha), war begehrt. Auf den ersten Blick glaubt man die Fläche beschränkt sich auf den oberhalb der Straße liegenden Teil. Dort ist auch der offene Schachtencharakter am besten erhalten, aber der Bereich unterhalb, man erreicht ihn erst nach ein paar Metern durch den dichten Wald, ist der weitaus Größere Teil. Langezogen und mit vielen uralten Bäumen bestückt, hat er ein ganz eigenes Flair. Ganz anders als die großen offenen Flächen am Rindl- oder Jährlingsschachten. Fast wie in einem alten Schlosspark. Wir schlendern nach unten und wenn dann die Vegetation wieder dichter wird, halten wir uns links, nach Osten zu. Aus dem Pfad wird bald ein breiterer Weg, welcher uns nach weniger als 500 Metern wieder auf eine Forststraße führt, welcher wir bergab folgen. Die Straße bringt uns langsam dem Talgrund näher, rechter Hand kommt der Weg von der Höllbachschwelle herunter. Wir halten uns links, immer bergab bis zur Bauhüttenbrücke über den Kolbersbach. Von hier aus sind es nur noch ca. 800m bis zu unserem Ausgangspunkt dem Scheuereck. (km 15,3)


Das benutzen der nicht markierten Wege in der Kernzone des Nationalparks
ist nur in der Zeit vom 15.07 bis 15.11 gestattet.
Weitere Info: Einschränkung des Betretungsrechts im Nationalpark "Bayerischer Wald"






Wanderreitkarte, Openstreetmap auf neuer Seite


Länge ca.: 15,3km
Summe Steigungen: 556m
Höchster Punkt: 1254m

GPX-Datei zur Route:
12_Scheuereck-Rindlschachten.gpx





Die Routen wurden anhand verschiedener Daten erstellt, teils selbst erfasst, teils mit Hilfe freier Karten erstellt.
Sie können vom tatsächlichen Geländeverlauf abweichen und dienen nur als Anhalt.
Die Nutzung erfolgt auf eigene Gefahr.
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