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Der geheime Berg

Von Prášily über den Prášilské jezero zum Poledník

Eine Hubschrauberstaffel bewachte die Station, ein Truppenübungsplatz riegelte das Gelände ab, Landkarten wurden verzerrt dargestellt um die Lage zu verheimlichen. Die Voraussetzungen für den Stützpunkt waren perfekt und er ist das Ziel unserer Tour. Genauer gesagt, das Infozentrum des Nationalparks Šumava auf dem Poledník (Mittagsberg).

Ausgangspunkt unserer Wanderung ist die kleine Gemeinde Prášily (Stubenbach) im Böhmerwald, ca. 23 Kilometer südöstlich von Bayerisch Eisenstein. Im Zentrum des Dorfes gibt es einen gebührenpflichtigen Parkplatz. Entstanden ist das ehemalige Glasmacherdorf in der Mitte des 18. Jahrhunderts. Mehrere Glashütten produzierten dort hauptsächlich Spiegelglas. Mit dem Bau des Chinitz-Tettauer Schwemmkanals zwischen 1799 und 1801, kam auch der Niedergang der Glasindustrie. Die Zeit nach 1945 veränderte den Landstrich dann noch einmal grundlegend. Lebten 1938 noch mehr als 1000 Einwohner hier, war die Situation 1952 eine komplett andere. Das Dorf hatte weniger als 50 Einwohner, war dem Truppenübungsplatz Dobrá Voda eingegliedert worden und für die Öffentlichkeit gesperrt. Mit dem Fall des Eisernen Vorhangs ist das Militärgebiet abgeschafft worden und das Dorf wurde eine aufstrebende Tourismusregion. Schmucke Gasthäuser öffneten und ein Archäopark, ein archäologischer Erlebnispark, wurde geschaffen.

Am Dorfplatz folgen wir der roten Markierung bergab um nach den letzten Häusern in den Wald einzutauchen. Stetig ansteigend führt uns der Weg zum Prášilské jezero, den Stubenbacher See. Er hat in etwa eine Fläche von 3,9 Hektar und ist bis zu 15 Meter tief. Früher wurde er zur Holztrift benutzt, wie die Steinmauern am Westufer noch belegen. Eindrucksvoll steigt die Seewand hinauf zum 1315 Meter hohen Poledník (Mittagsberg), von dem die Gletscher in der letzten Eiszeit herunter kamen und das Seebecken ausschürften. Drei Moränenwälle zeugen noch heute davon. (km 4,2) Der einst dichte Wald hinauf zum Gipfel ist ausgedünnt, der Borkenkäfer hat kräftig zugeschlagen. Ein Stück bergab, am Seebach entlang, bringt uns die Route auf eine ehemalige Kolonenstraße, welche heute gerne von Radfahrern benutzt wird. Sie trifft im oberen Bereich auf die Straße welche von Modrava heraufkommt und führt uns mit der roten Markierung bis zum Gipfel. (km 9,3)
In den 1960-Jahren hatte die Armee hier eine geheime Station errichtet mit der ab Anfang der 1970-Jahre der Funkverkehr des Westens abgehört wurde. Auch das Ministerium für Staatssicherheit der DDR nutzte die Einrichtung unter der Tarnbezeichnung "Topas". Erst 1989 verließ die Armee ihren Stützpunkt und die Gebäude mit Ausnahme des großen Turms, verschwanden allmählich. Der Stahlbeton-Koloss wurde um-, ein Kiosk mit einem überdachtem Freisitz angebaut und im Juli 1998 für die Besucher eröffnet. In den drei Etagen des Turms findet man heute neben allgemeinen Informationen über den Nationalpark auch eine Ausstellung über den Sturm Kyrill (19.01.07) und ein Stockwerk widmet sich dem ehemaligen Verwendungszweck. Für Mutige erschließt sich in 37 Meter Höhe eine Aussichtsplattform. Dem Aufstieg auf einer im oberen Bereich sehr steilen Holztreppe folgt eine Stahlleiter. Nahezu senkrecht führt sie in einem engen, dunklen Schacht, abenteuerlich, die letzten Meter hinauf. Oben wird man mit einem herrlichem Rundumblick auf Arber und Falkenstein, Rachel und Lusen und bei gutem Wetter bis zu den Alpen, belohnt. Geöffnet hat der Turm von Mai bis Oktober. Im Mai und Oktober nur an den Wochenenden, bei einem Eintritt von 30 Kronen. Ein Kiosk versorgt die Besucher.
Nach Rast und Ausblick müssen wir zunächst etwa einen halben Kilometer zurück. Links kommt die Straße herauf von der wir gekommen sind. Ein paar Meter weiter in die entgegengesetzte Richtung, treffen wir nach einer Kurve auf die Abzweigung des grün markierten Wanderweges, welchem wir weiter folgen. Ein steiniger Pfad, der nur vom 15.07 bis 15.11 jedes Jahr geöffnet ist, geleitet uns nun bergab. Nach knapp zwei Kilometer treffen wir auf einen Umkehrplatz einer breiteren Forststraße. Ihr folgen wir nur ein kurzes Stück um dann weiter nach links, hinab ins Tal des Prášilský potok abzusteigen. Der kleine, idyllische Fluss begleitet uns mit der roten Markierung zurück zu unserem Ausgangspunkt Prášily (Stubenbach). (km 17,3)





Wanderreitkarte, Openstreetmap auf neuer Seite


Länge ca.: 17,3km
Summe Steigungen: 603 m
Höchster Punkt: 1315 m

GPX-Datei zur Route:
03_Polednik.gpx





Die Routen wurden anhand verschiedener Daten erstellt.
Teils selbst erfasst, teils mit Hilfe freier Karten erstellt.
Sie können vom tatsächlichen Geländeverlauf abweichen und dienen nur als Anhalt.
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der Beschreibung, der Karte und der GPX-Datei.



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