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„Es fehlt an allen Ecken und Enden“

Artikel aus der Kötztinger Zeitung vom 24.06.2017, Von Thomas Hobelsberger
(Veröffentlichung Text mit freundlicher Genehmigung der Kötztinger Zeitung, Jürgen Hirtreiter)
(Veröffentlichung Skizze mit freundlicher Genehmigung Dipl. Ing. (FH) Max Weber / Architekt)



Staatsminister Helmut Brunner kämpft um eine Förderung für das Falkensteinschutzhaus

Das Falkensteinschutzhaus wurde 1932 vom Wald-Verein gebaut und ist auch heute noch im Besitz des Vereins. Pächter seit Weihnachten 2011 sind Claudia und Michael Garhammer aus Spiegelau. Stressig und anstrengend ist zuweilen das Leben auf der Hütte, besonders in den Wintermonaten. „Aber es macht auch viel Spaß“, sagt Garhammer, der, solange es Buchungen gibt, fest in der Hütte lebt. Aber: Die Hütte ist in einem schlechten Zustand. „Wegen der Brandschutzauflagen mussten wir schon einige Zimmer zusperren“, sagt der Geschäftsführende Vorsitzende des Bayerischen Wald-Vereins, Georg Pletl. Die sanitären Anlagen sind veraltet und auch die Küche ist nicht mehr auf der Höhe der Zeit. „Ich will die Hütte nicht schlecht reden, aber es herrschen gravierende Mängel. Es fehlt an allen Ecken und Enden“, erklärt Pletl.
Am Willen liegt es nicht, die Planungen, das Falkensteinschutzhaus fit für die Zukunft zu machen, sind schon weit fortgeschritten. Architekt Max Weber, Wald-Vereinsmitglied und gerne auf dem Falkenstein unterwegs, hat schon einen Plan erstellt und vor wenigen Tagen am Bayerwaldtag des Wald-Vereins präsentiert. Auch Heizungsbauer, Elektriker und Zimmerer im Verein wollen helfen. „Wir favorisieren dabei klar einen Neubau“, sagt Pletl. Bei einer Generalsanierung müsste wegen den Brandschutzvorgaben das Dach angehoben werden, Böden müssten rausgerissen werden, um an die maroden Rohre zu kommen – kurz, es würde nur noch „die Hülle stehenbleiben“.
Eine solche Sanierung wäre nach aktuellen Planungen nur 50000 Euro billiger als ein Neubau, der mit 1,5 Millionen Euro zu Buche schlagen würde. Auch die Energiekosten und die Instandhaltungskosten wären bei einem Neubau geringer, das Erscheinungsbild hochwertiger und die Raumaufteilung zeitgemäß. Ein Förderverein mit dem Ziel, das Falkensteinschutzhaus zu erneuern, wurde vom Finanzamt in Straubing abgelehnt. Die Begründung: die Berghütte sei ein Gewerbebetrieb, der Verein nicht gemeinnützig. Aber an Fördermittel zu kommen, gestaltet sich schwierig, für den Neubau eines Schutzhauses gibt es kein konkretes Programm. Staatsminister und Wald-Vereins-Präsident Helmut Brunner hat es sich aber zur Aufgabe gemacht, Fördermöglichkeiten zu erschließen. Eine Möglichkeit: EU-Förderung durch ein Inter-Reg Projekt. „Wir müssen es schaffen, dass zumindest Teile der Maßnahme in den Genuss eines hohen Inter-Reg-Fördersatzes von 85 Prozent kommen, damit wir eine realistische Chance auf eine machbare Finanzierung haben“, sagt Helmut Brunner. Der Weg zu einer solchen Förderung ist – genauso wie im Fall des Osserschutzhauses – jedoch steinig und kompliziert. Die fertige Projektskizze muss bis Dezember stehen, um vor dem entscheidenden Begleitausschuss eine Chance auf Zuschüsse zu haben. Zugleich braucht das Falkensteinhaus ein Spiegelprojekt auf tschechischer Seite. Das angedachte Infozentrum am Schwarzensee ist jedoch nur bedingt geeignet: Es handelt sich hierbei nicht in erster Linie um einen Gastronomiebetrieb, Übernachtungen sind nur eingeschränkt möglich.
Der Pachtvertrag von Michael Garhammer, der zuerst einen Fünfjahresvertrag hatte, wurde nicht verlängert. Zunächst wird jetzt ein Einjahresvertrag zu den alten Konditionen weiterlaufen, bis die Maßnahmen geklärt sind. „Wir können ihm keinen Neubau hinstellen und dann die alte Pacht verlangen“, sagt dazu Pletl. Man würde aber letztendlich auch für ihn bauen, denn „wenn wir nichts tun, geht niemand mehr rauf“. Man sei sehr zufrieden mit Garhammer und möchte ihn halten: „Ein Neubau ist nur zusammen mit ihm sinnvoll“, so Pletl. Der Vorsitzende sieht die Politik in der Pflicht. Der Goldsteig wurde in einer Umfrage zu Deutschlands schönstem Wanderweg gewählt. Entlang des Weges sind jedoch zahlreiche Schutzhäuser von der Schließung bedroht. Es könne nicht sein, so Pletl, dass ein Wirtshaus am Stadtplatz denselben Bestimmungen unterliege wie ein Schutzhaus am Berg.

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