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Die Pilsner Hütte auf dem Zwercheck

Artikel aus der Kötztinger Zeitung vom 14.02.09, von Von Dr. Hans Aschenbrenner
(Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Kötztinger Zeitung, J. Hirtreiter)



Vor 70 Jahren ein beachtlicher Skiberg unmittelbar an der Grenze

Nur wenige Zeitzeugen beiderseits der Grenze werden sich noch daran erinnern, dass früher Berghütten auf dem Zwercheck Einkehr und Übernachtungsmöglichkeiten boten. Der Pilsner Skiclub errichte schon 1922 ein Blockhaus mit einem Grundriss von vier mal fünf Metern, in dem immerhin zehn Personen übernachten konnten. Es wurde nach dem Pionier des Skifahrens im Böhmerwald, Arno Juranek, benannt, einem Stiefsohn des bekannten Böhmerwaldschriftstellers Karl Klostermann. Bei der Einweihung am 2. Oktober 1922 lag bereits Schnee. Diese Hütte brannte am 22. Dezember 1931 ab; eine vorsätzliche Brandstiftung konnte nicht ausgeschlossen werden. Ein knappes Jahr später, am 28. Oktober 1932, konnte bereits ein neues Berghaus feierlich eröffnet werden, das mit Spendengeldern finanzierte und von Ing. Ottokar Prokop geplant wurde. Erwähnenswert der Umfang dieses beachtlichen Bauwerkes. Im Erdgeschoss aus Natursteinen befand sich ein Ski-, Wachs- und Trockenraum und die Küche. Von hier aus wurden sie Speisen über einen Aufzug in das sieben mal zwölf Meter große Restaurant befördert. Hier konnte man sich auch an einem offen Kamin erwärmen. Im weiten Stockwerk fanden 40 Personen in vier Zimmern ein Nachtlager. Der Pächter, Alois Rajal, wohnte im Dachgeschoss. Eine zentrale Warmluftheizung, und Petroleumbeleuchtung erlaubten eine ganzjährige Bewirtschaftung. Sogar Skirennen fanden auf dem Zwercheck statt - und das alles ohne Forststraßen und Lifte. An einem etwa zwei Kilometer langen Hang wurde 1935 "Der Preis des Böhmerwaldes" in einem Abfahrtsrennen ausgetragen. Es gab Abfahrten nach Eisenstraß, zum Schwarzen See, nach Bayerisch und Böhmisch Eisenstein und Über einen offenen Hang zur Scheibe; das Zwercheck war damit das Zentrum des Skisports im Spitzberg-Gebiet. Am Ende des Zweiten Weltkrieges sollen Soldaten der deutschen Wehrmacht dieses schöne Berghaus zerstört haben. Arno Juranek musste das allerdings nicht mehr erleben, er starb 1944, seine Freunde verstreuten seine Asche in den Fluten des Schwarzen Sees. Noch ein drittes Mal lebte die Hütte auf. Gleich nach dem Kriege fanden sich Mitglieder des Skiclubs bereit, an dem wunderbaren Ort nochmals eine Hütte zu hauen. Sie wurde wieder nach einem Plan des Architekten Ottokar Prokop im Dezember 1945 mit ungebrochenem Optimismus fertiggestellt; am 23. Dezember 1945 fand die Eröffnungsfeier statt. Der dritte Hüttenbau war eine einstöckige Konstruktion mit Dachgeschoss. Mit dem Beginn des Kommunismus im Jahr 1948 wurde das Gebiet für fast ein halbes Jahrhundert abgesperrt. Nur Ruinen erinnern heute noch an die damalige "Juranek-Hütte".

Quellen:
G. Spalkova: Bile stopy na Ceskem zapade (Weiße Spuren im tschechischen Westen),
erschienen im Verlag Stary most
Zdenek Roucka: Predvalecnou Sumavou (Durch den Böhmerwald der Vorkriegszeit),
ZR&T, Pilsen 2006
Honza a Blanka Reichardtovi: Stara Sumava (Der alte Böhmerwald)



die Überreste der Juranekhütte am 25.10.08



die Überreste der Juranekhütte am 22.12.84













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