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Das Osser-Schutzhaus: Vor genau 100 Jahren erbaut

Artikel aus der Kötztinger Zeitung vom 15.08.1997, von Ernst Plötz
(Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Kötztinger Zeitung, Jürgen Hirtreiter)



Vom Sorgenkind zum Stolz der Bayerwald-Bergwelt

Lam, Großer Osser.
Der Große Osser (1293 Meter) ist gerade wegen seines alpinen Charakters zweifellos einer der schönsten, ja markantesten Berge des Bayerischen Waldes. Auf seinem Gipfel steht seit hundert Jahren das Schutzhaus,
1897 erbaut von der Waldsektion Lam, bis 1961 auf Willmann'schen Grund stehend, seither aber auf sektionseigenem Boden. Der Gutsbesitzer Albert Willmann hat der von ihm über viele Jahre Geführten Lamer Waldvereinssektion das einmalige Geschenk gemacht. In dankbarer Erinnerung an ihn führt das Osserschutzhaus auch den Name "Willmannhaus".
Am 21. August 1961 wurden die Vermessungen, die bei diesem felsigen Gelände nicht einfach waren, durchgeführt. Das vom Vermessungsamt Cham ermittelte Ergebnis fand mit der notariellen Verbriefung am 3. Mai 1962, beurkundet beim Notariat Kötzting, seine Anerkennung. Damit wurde die Waldvereinssektion Lam e. V. mit seinem Schutzhaus auch Eigentümer des Grund und Bodens. Der Eintrag "Lam - Osserschutzhaus - Hausnummer 190 mit 1,51 Tagwerk" vollzog sich unmittelbar darauf im Grundbuch des Amtsgerichtes Neukirchen b. Hl. Blut. Waldvereinssektion und Osserschutzhaus sind somit eine Einheit und so läßt sich die Entstehungsgeschichte der Sektion kaum von der des Osserschutzhauses trennen.
Es ist ein Glücksfall, dass all die Aufzeichnungen und Protokollbücher erhalten geblieben sind. Auf Veranlassung des königlichen Rentoberkontrolleurs M. Schweiger versammelten sich am 14. Februar 1884 im Saale des Gasthofes "Zur Post" in Lam aufgeschlossene Lamer Bürger, um die Gründung einer Waldvereinssektion ins Auge zu fassen. Noch am gleichen Tage kam es zur Sektionsgründung. Als erster Vorsitzender wurde Initiator
M. Schweiger gewählt. Es war ehrliche Pionierarbeit.
Im Jahre 1885 wurden auf Anregung des Glasfabrikanten und Gutsbesitzer Konstantin Willmann von Lambach die ersten Wanderwege zum zweigipfligen Osser markiert. Damit gab die Sektion Larn zu verstehen, in diesem Grenzberg ihren Hausberg zu sehen. Zwischen den beiden Ossergipfeln wurde ein Verbindungsweg angelegt. Der Bau einer Schutzhütte auf dem Gipfel des "Großen Ossers" sollte nur noch eine Frage der Zeit sein.

Bezirksbautechniker Wild aus Kötzting war mit der Planung behilflich. Und weil der Hauptverein, damals "Zentralverein Bayerwald" genannt, einen Zuschuß von 150 Mark zusagte, ging man auch gleich zur Sache.
Die Schutzhütte wurde gebaut. Es war ein einfacher Bretterschuppen, der zirka 30 Personen Platz bot.

Bei der Sektion gab es einen Führungswechsel. Nach Robert Ullrich wurde bei der Hauptversammlung am 23. Januar 1886 der königliche Grenzoberkontrolleur Steinbeiß zum Sektionsvorsitzenden gewählt. Bereits ein Jahr später übernahm der Lambacher Glasfabrik- und Gutsbesitzer Konstantin Willmann die Sektionsführung. Ihm folgte in die Führungsposition im Jahre 1893 sein Sohn Hermann Willmann.
Immer mehr Berg- und Waldfreunde kamen auf den Ossergipfel, der Bau eines richtigen Schutzhauses drängte. Am 16. Januar 1897 wurde der Beschluß gefaßt, ein den Voraussetzungen entsprechendes Schutzhaus zu bauen. Die Kosten hierfür wurden auf 900 Mark veranschlagt. Mit dem Bau wurde am 24. Mai 1897 begonnen, und am 10. Juli des gleichen Jahres stand der fertige Holzbau. Die Räumlichkeiten bestanden aus einem Schankraum und einem kleinen Nebenraum von zirka 30 Quadratmetern. Johann Denkscherz aus Hammern im Böhmerwald zog als erster Schutzhauspächter auf.
Dieser erste Pachtvertrag aus dem Jahre 1898 ist heute noch erhalten. Der jährliche Pachtschilling betrug damals 45 Mark. Im Jahre 1901 erfolgte der Anbau einer Küche und bereits sechs Jahre später wurde das Schutzhaus vergrößert. Der Keller, der bislang auf Böhmischer Seite lag, wurde auf die Bayerische verlegt, zwei Schlafräume entstanden zusätzlich. Bereits 1910 erhielt das Schutzhaus den Fernsprechanschluß.
Der erste Weltkrieg brachte vieles zum Erliegen, so auch den Wirtschaftsbetrieb auf dem Grenzberg. Wieder war Frieden im Lande und die Sektion konnte mit neuer Tatkraft beginnen. Der Fremdenverkehr kam in Schwung. Wer nach Lam kam, mußte auch den Osser besteigen. Die Zahl der Bergwanderer nahm sprunghaft zu. Damit waren auch die Zeichen gesetzt, das Schutzhaus erneut zu erweitern. Der Bau wurde aufgestockt und bekam die Größenordnung, wie sie heute zu sehen ist.
Im Jahre 1945 mußte das Schutzhaus für die amerikanische Besatzungsmacht geräumt werden. Das Mobilar wurde zu Tal gebracht und in Lambach deponiert. Der Schutzhauspächter konnte im 1946 wieder hinauf ziehen.

Um die Waldvereinssektion war es still geworden, am 23. Mai 1949 kam es zur Wiedergründung. 1951 feierte man die 50-Jahrfeier der Sektion.
über eine Reihe von Jahren leitete Gutsbesitzer Albert Willmann die Sektion. Mit ihm hat der Waldverein wohl seine großen Höhenpunkte nach dem zweiten Weltkrieg. Nachdem er aus gesundheitlichen Gründen sein Ehrenamt zurückgab - er verstarb 1980 - folgten die Vorsitzenden Xaver Klingseisen und Karlheinz Neumann, ehe 1983 Norbert Lemberger die Vereinsführung übernahm. Letzterer übt noch heute dieses Ehrenamt aus und unter seiner Verantwortung, unterstützt vom Ausschuß, entstand die Sanierung aus den Jahren 1996/97.
Im Jahre 1984 feierte die Waldvereinssektion ihr 100jähriges Bestehen.
Vor knapp einem Jahr begannen im Schutzhaus umfangreiche Sanierungsarbeiten, über deren Notwenigkeit man sich vollends bewußt war. Der Innenabort wurde aus dem Bau herausgenommen und in der stillgelegten Holzlege als Toilette getrennt für Damen und Herren verlagert. Die Westterrasse konnte überdacht werden und über sie kommt man trockenen Fußes zu den Toiletten. Am Schutzhausdach gab es einen Menge an Erneuerungsarbeiten zu tun. Eine zweite Holzlege war notwendig. Neu zu fassen war der Brunnen unter dem Ossergipfel. Die Erneuerung der Wasserversorgung ist noch im Gange.
Was an Mitgliedsbeiträgen - es sind zwischenzeitlich mehr als 250 A und B-Mitglieder - in den letzten Jahren auf die hohe Kante gelegt wurde, war für diese Investitionen mit zirka 120 000 Mark nötig. Der Landkreis Cham gab einen Zuschuß von 10000 Mark, vom Hauptverein kamen 500 Mark. Enorm war damit die Summe, die von der Lamer Waldvereinssektion aufzubringen war.
Die Energieversorgung des Schutzhauses erfolgt durch ein Aggregat. Daß den Schutzhauspächtern in diesen einhundert Jahren nichts geschenkt wurde, dürfte allen klar sein, die dort als Berg- und Waldfreunde Einkehr halten.
Seit der Grenzöffnung kommen die Wanderer von hüben und drüben, verstärkt seit es den "Künischen Grenzweg" gibt. Dieser führt von Lam aus über den Großen Osser nach Hammern bzw. in Richtung Schwarzer See und Teufelssee.

Nachfolgend die Namen derer die sich als Schutzhauswirtsleute mit dem größten persönlichen Engagement hervortaten.
Die Pächter waren von
1897 bis 1910 Josef Dengscherz, Hammern/Böhmerwald
1911 bis 1937 Josef und Josefa Huber aus Lam
1937 bis 1941 deren Sohn Josef und dessen Frau Kathie
1941 bis 1943 Josefa Huber aus Lam
1943 bis 1955 Anton und Maria Fürtsch aus Eisendorf - Horitz/Böhmerwald
1955 bis 1977 Franz und Betti Kaml aus Lam
von 1978 bis heute deren Sohn Sigi und dessen Frau Sissi

Wer bei den jetzigen Wirtsleuten Einkehr hält, der wird mit herzlicher Gastlichkeit bedient.

Mag dieses Osserschutzhaus in so mancher Zeit das Sorgenkind gewesen sein, für die Waldvereins-Sektion Lam war es von seiner Erbauung bis in die heutige Zeit der Stolz in der Bergwelt des Bayerischen Waldes.
Ernst Plötz.



Anmerkung zum Artikel vom 15.08.1997:
Seit Mai 2001 sind die Wirtsleute Sebatian und Angela Augustin am Osser
Norbert Lemberger verstarb im Dezember 2010


Bilder
vom Osserschutzhaus




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