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Das Geheimnis der Osserburgen

von Otto Neidhardt / Lam

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors

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"Ein leidenschaftliches Aufbäumen der Erde" nennt der Böhmerwalddichter
Hans Watzlick (1879 - 1948) in seiner Erzählung "Im Ring des Ossers"
1913 den Berg "wolkenhemmend und sturmspaltend, eine dräuende Gebärde des Gebirges gegen den Himmel."
Urversunkene Zeit hat ihn mit dem Namen eines wetterlechzenden Gottes gekrönt und der Asenklang (Asen = zwölf kriegerische Gottheiten der Germanen) grollt noch heute nach tausendjähriger Verwitterung aus dem Namen "Osser".
Tatsächlich geht der Name des Berges mit seinen zwei Gipfeln, die die Tschechen Prsa Matky Boží (Brüste der Mutter Gottes) nennen, auf ferne, vorgeschichtliche Zeiten zurück. Kein Wunder, wenn sich darum die Sage bemächtigt. Fest steht, dass die mächtigen Grafen von Bogen (1075 - 1240) Herren des Waldlandes vom Grenzgebirge bis zur Donau waren.

Erste Nachrichtenstation?
Albert III. von Bogen, der auch die Burgen Lichtenegg und Hohenbogen erbauen ließ, heiratete 1184 die Tochter Ludmilla des Herzogs Friedrich von Böhmen, die ihm als Mitgift "ein großes Stück des Böhmerwaldes" von Neuern bis Prachatitz zubrachte. Da die beiden Bogenschen Landgebiete, das bayerische und das Böhmische, durch den "Hohen Böhmerwald" voneinander getrennt waren, brauchte man einen beide Gebiete überschauenden Punkt, von dem aus nach beiden Seiten Zeichen gegeben werden konnten, bei Tag durch Rauchsäulen und nachts durch Feuer. Zweckmäßigerweise müsste so ein Bauwerk den damaligen Verhältnissen entsprechend als "Nachrichtenübermittlungsstation", bestehend aus einem aus unbearbeiteten Natursteinen gebauten Turm mit einem Unterkunftshaus für die Besatzung an der Stelle gestanden haben, an der viele Jahrhunderte später das Osserschutzhaus errichtet wurde. Und versorgt wurde, der seinerzeitigen Besiedlung entsprechend, die Mannschaft vom Böhmischen Gebiet aus. Nach dem Aussterben der Bogener im Jahre 1240 und dem Heimfall der Böhmischen Gebiete wurde auch die Station nicht mehr gebraucht und verfiel. Im Laufe der langen Zeit wurden durch die mündlichen Erzählungen aus dem Bauwerk oder der Ruine eine Burg, ein Schloss oder sogar zwei Burgen.

Karten nach hörensagen
Tatsächlich gibt es eine Reihe von Dokumenten, die von einer "Burg" am Osser berichten. Die älteste bayerische Landkarte von 1514 zeigt eine Burg auf dem "Obser". Dann hat der bayerische Kartograph Philipp Apian 1566 in der Karte Nr. 8 seiner aus 24 Landtafeln bestehenden Karte von Bayern Befestigungen auf den Ossergipfeln eingezeichnet. Doch diese Karten dürften mehr nach dem hörensagen gezeichnet worden sein, denn die Berge haben keinerlei Ähnlichkeit mit der Wirklichkeit. Urkundlich erwähnt wird erstmals eine Osserfeste in einer Grenzbegehung im Jahre 1511. In der nächsten Grenzbeschreibung von 1637 steht: "auf dem hündern Osser so ein hocher Perg, darauf hat man in den alten eingefallenen Schloß in dieser Granitzgehung (Grenzbegehung) das Mittagsmahl eingebracht" . Und 1650 heißt es in einem weiteren Dokument: "Nota in diesem Granitz-Gang ist das alte Schloß zu Höche vj dem Osserberg, allwo die alten Gemäuer, vund thails Fenster noch sichtbar stehen, vnd alle uestigia noch vorhanden sind".
Dann gibt es eine Kötztinger Grenzbeschreibung von 1654, wo es heißt: "über alle hoch, gegen den Ossa, herwärts des noch woll erkhentlichen alten Schloß, Fündt sich zur rechten hanndt ain sehr großer, unbeweglicher Stain, derain auch ein + gehauet ist, von dannen ain wenig auffwerts, ist abermahl ain großer Stain, Rechter hanndt, hörtt am Schloß, darein das Churfürstl. Wappen gehautt und würdt ain hauptmach (Hauptmarkierung) genannt"

Schließlich ist noch 1707 von einer Osserburg die Rede.

Der Osser, nach dem Zwercheck der zweithöchste Berg des Künischen Gebirges, das Wasserscheide zwischen Donau (Weißer Regen - Schwarzes Meer) und Elbe (Angel - Moldau - Nordsee) ist, ist immer noch Hausberg des Lamer Winkels und der beliebteste Wanderberg. In dem dicht bewaldeten Grenzgebiet, das als einsamste Waldlandschaft Mitteleuropas galt, fand Carl Maria von Weber (1786 - 1826) den Schauplatz zu seiner 1821 uraufgeführten romantischen Oper "Der Freischütz".

Im Bannkreis der Sagen
Schwarzer See und Teufelssee liegen im Bannkreis der Sagen geheimnisvoller Waldwildnis. Da hätte sich der Sage nach neben den Gipfeln des Ossers noch ein dritter erhoben. drei Riesenbrüder, heiße es, hätten von drei Schlössern aus das Gebirge beherrscht. Ob seiner Gottlosigkeit hätte einen von ihnen die Erde samt Feste und Fels verschlungen. Adalbert Müller erzählt in Silvanus "Sagenkranz des Bayerisch-Böhmischen Waldes" noch viel über die Heimat der königlichen Freibauern, die von den Grafen von Bogen auf "wilder Wurzel" angesiedelt wurden und von den Böhmenkönigen privilegiert wurden. Sie gaben dem Gebirge den Namen "Künisches Gebirge" und auf ihrer Fahne stand "Niemands Herr und niemands Knecht, das ist künisch Bauern Recht". Erst 1848 ging dieses Recht durch den Wiener Beschluss zu Ende. ...

Der Beitrag entstand unter Verwendung eines Aufsatzes
von Karl B. Krämer, Kötzting, 1964


Ausschnitt aus der Landtafel 24 von Philipp Apian (1568)
(Bereich Osser, Arber und die Arberseen)



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