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Burg auf dem Osser ist keine Sage

Artikel aus der Kötztinger Zeitung vom 11.11.2008, von Dr. Bernhard Ernst
(Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Kötztinger Zeitung, J. Hirtreiter)



Lam. Die mögliche Existenz einer Burg auf dem Gipfel des 1292 Meter hohen Großen Ossers beschäftigt viele Menschen auf beiden Seiten der Grenze schon lange Zeit. Erst Kürzlich wurde sie wieder ins Reich der Legende verwiesen. Betrachtet man die abseitige Lage und das heutige Gipfelareal, so scheint auf den ersten Blick auch nichts auf eine frühere Burg hinzudeuten. Schaut man sich jedoch näher um, so erkennt man einen bis zu zwei Meter breiten künstlichen Grabeneinschnitt, der einen zum Gipfel führenden Grat quert. Macht man sich zudem die Mühe, Felsritzen und andere Vertiefungen abzusuchen, so findet sich immer Keramik. Die zwischen 1968 und 2000 aufgelesenen Stücke datieren zwischen dem 12. und 15. Jahrhundert. Dieses archäologische Fundmaterial hat sicher niemand in späterer Zeit auf den Berg getragen. Leider lässt uns die schriftliche Überlieferung für diesen Zeitraum im Stich. Im 12. Jahrhundert gehörte die Region um den Osser den Grafen von Bogen. Für 1193 erwähnt Abt Hermann von Niederaltaich den Bau einer Burg auf dem Hohenbogen und weiterer Gebäude, die er aber nicht näher ausführt. 1279 wird dann der Lamer Winkel durch den Regensburger Bischof Heinrich II. von Rotteneck an das Kloster Rott am Inn übertragen, doch werden auch hier nur Waldgebiete erwähnt, die es zu roden galt. Da nun aber schon alleine über den Wehrgraben wohl im Bereich des Zugangs zur ansonsten sturmfreien Höhe und die Funde die Existenz einer Wehranlage gesichert ist, scheint es denkbar, dass diese nur kurze Zeit genutzt oder nicht vollendet wurde - wie es auch am Hohenbogen der Fall war. Die niederbayerische Grafenfamilie liebte offenbar markante Geländepunkte zur Errichtung von Burgen, deren Nutzen über eine reine Machtdemonstration hinaus aber sehr beschränkt war. Die erste schriftliche Überlieferung der Anlage datiert von 1512, als in einer Grenzbeschreibung das "Ödslos" erwähnt wird. Die Ruine ist auch in der ältesten Grenzkarte von 1514 verzeichnet. Sie ist mit Turm und Gebäude ohne Dach dargestellt. Das Gebäude ist anstelle des heutigen Schutzhauses anzunehmen. Philipp Apian saß dagegen offenbar einer Fehlinformation auf, als er 1568 von zwei Burgen schreibt und diese auch auf seinen Landtafeln verzeichnet. 1569 wird die Ruine "das Osserhaus oder Schloß, so vor Jahren allda gestanden" genannt. Hierzu ist zu bemerken, dass in der frühen Neuzeit jeder adelige Sitz generell als Schloss bezeichnet worden ist. 1637 ist von einem "alten Eingefallenen Schloß" die Rede. 1650 wird "das alte Schloß vf dem osserberg, allwo die alten Gemäuer, vnnd thails Fenster noch sichtbar stehen vnd alle uestigia(= Spuren) noch vorhanden sind", erwähnt. Auch die Grenzbeschreibung von 1654 spricht von einem "noch woll erkhenndlichen alten Schloß". Letztmals ist auf einer Grenzkarte von 1708 von der Osserburg die Rede. Hier findet sich der Eintrag "Spitz des grossen Ossers, allwo Alte Gemäuer von einem Schloß zu sehen seindt". Noch 1862 berichtete F. Olbricht von Resten einer künstlichen Böschung oder eines Walles auf der Nordseite und 1880 will V. Prasek noch Reste von "irgendeinem Gebäude" gesehen haben. Bei dieser dichten Überlieferung sollte also heute niemand mehr ernsthaft an der früheren Existenz einer Burg auf dem Ossergipfel zweifeln.




Ausschnitt aus der Landtafel 8 von Philipp Apian (1568) (Bereich Osser, Arber und die Arberseen)









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