waldberge.de
Home>Künisches Gebirge


Die letzte Glashüttengründung im Lamer Winkel: Lambach

Artikel aus der Chamer Zeitung vom 26.05.2007, von Otto Neidhardt
(Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Chamer Zeitung, Dipl. Geograph Wolfgang Reimer)


Otto Neidhardt zur Geschichte der Firma "Tritschler, Winterhalder & Co."

Lambach, vier Kilometer nordöstlich von Lam gelegen, verdankt seine Entstehung der letzten Hüttengründung im Lamer Winkel im Jahre 1806 dem bayerischen OberstBergrat Franz Xaver Benedikt von Baader. Die unbesiedelten Waldungen unter dem Osser gehörten bis zum Jahre 1803 dem Kloster Rott am Inn. Durch die Säkularisation fielen sie an den Staat. Der Lamer Heimatforscher Kurt Sanetra berichtet, dass die Gemeinde Lam den Gesamtbesitz um 8 000 Gulden angeboten bekommen hätte. Die Lamer schlugen jedoch den Kauf aus, so dass ihn 1806 der bayerische OberstBergrat und Philosoph Franz Freiherr von Baader um 12 519 fl (Gulden) und 15 kr (Kreuzer) kaufen konnte. Im Regestenbuch der Pfarrei Lam hat um 1900 Pfarrer Sebastian Holzer vermerkt, dass im Bereich des heutigen Lambach vorher nur zirka 16 Nutzungsrechte vergeben waren. Lambach war zu keiner Zeit zur Erbpacht vergeben wie der übrige Lamer Winkel.
Noch 1806 begann von Baader mit dem Bau einer Glashütte. Von Baader begann sein schwieriges Unternehmen in einer konjunkturell sehr ungünstigen Zeit, die durch harte Konkurrenz und schlechten Absatz gekennzeichnet war. In einem brief vom 27. September 1809 klagte von Baader seinem Freund Dr. von Stransky, dass er - "wenn es so fort geht - seinen Wald zu Erdäpfelfeldern umbauen müsse, um vom "Banquerot" verschont zu sein". Im selben Brief teilt er mit, dass sich eben wieder drei Bären in seinem Wald befinden und sein Förster ihm nahelegt hatte, ihnen zu Leibe zu gehen, er sie aber "ruhig gehen lasse". Dem Universalgelehrten gelang in Lambach schließlich eine bahnbrechende Entdeckung: Von Baader erfand die Technik, die bisher zur Glasherstellung unverzichtbare Pottasche, deren Herstellung neben der Beheizung der Glasöfen Unmengen von Holz verbrauchte, durch die Beimengung von Glaubersalz fast vollständig zu ersetzen und somit "ein ungleich farbloses, spiegelndes und überhaupt besseres Glas" herzustellen. Einen wirtschaftlichen Nutzen konnte er allerdings daraus nicht ziehen, zudem war er vom Pech verfolgt: dreimal brannte die Glashütte ab, wodurch er in finanzielle Schwierigkeiten geriet. In der Folge ging der Besitz durch zahlreiche Hände, bis der größte Teil des Besitzes am Lambach wieder zurück in den Besitz der Kirche fiel.
Am 5. März 1836 gehörte der Besitz laut einem Auszug aus dem brandversicherungsgrundbuch der Gemeinde Lamm noch dem Freiherrn Franz von Baader. In einem "Extract aus dem Hypothekenbuch der Landgemeinde Lamm" am 9. März 1839 werden folgende Besitzer erwähnt: Samuel Hechinger, Hoffaktor zu Harburg und Gabriel Hirsch aus Kriegshaber. Die beiden hatten "in Folge Einlösungsrechtes" das Glashüttenanwesen um 25 501 Gulden erworben. Der Besitzwechsel ist aber tatsächlich bereits 1836 erfolgt. Laut Kaufvertrag vom 9. März 1839, in dem auch erwähnt ist, dass die (vierte) Glashütte Lambach an den Glashütteninhaber Benedikt von Poschinger verpachtet war, verkauften die Juden Samuel Hechinger und Gabriel Hirsch das Glashüttenanwesen zu Lambach um 28 000 Gulden an das Großhandelshaus Tritschler & Co. in Stuttgart. Teilhaber dieser Firma waren damals Johann Wiest und Johann Durst. Nach einem "Jagdpachtvertrag vom 26. August 1841" ist als Teilhaber der Firma Tritschler & Co. und Leiter der Glashütte Lambach Anton Vogt erwähnt. Ferdinand Winterhalder hat zum ersten Mal in einem Kaufvertrag vom 29. September 1849 für die Firma Tritschler & Co. unterschrieben. In späteren Akten wird die Firma in Lambach "Tritschler, Winterhalder & Co." benannt, doch es ist nicht festzustellen, ab wann diese Bezeichnung eingeführt wurde. Am 5. August 1861 wurde ein Gesellschaftsvertrag auf die Dauer von zehn Jahren geschlossen. Ab 1866 war Konstantin Willmann Leiter der Glasfabrik Lambach. 1871 wurde der Gesellschaftsvertrag erneuert. Die Gesellschaft betrieb Geschäfte in Stuttgart, Tübingen und Pforzheim und Fabrikgeschäfte in Pforzheim, Lambach (unter der Firma "Tritschler, Winterhalder & Co.") und Oed (1871 von Freiherr Joh. Nepomuk von Voithenberg gepachtet). Durch überlassungsvertrag vom 7. Februar 1880 schied die Firma in Lambach aus der Gesellschaft aus und ging in den alleinigen Besitz von Konstantin Willmann über. Die Glashütte in Lambach führte nunmehr den Namen "Titschler- Winterhalders- Nachfolger". Am 25. Mai 1895 übergab Konstantin Willmann an seinen Sohn Hermann Willmann. 1904 fand wieder eine Vereinigung der Firma in Lambach mit der Firma in Oedhütte- Voithenberg statt und dann wurden beide Betriebe zusammen nach Neustadt an der Waldnaab verlegt und dort unter dem Namen "Tritschler, Winterhalder & Co. Neustadt W. N." weiterbetrieben. Teilhaber dieser Firma waren damals Oskar Herrmann und Hermann Willmann. Ein Bierglas mit der Gravur "Andenken an die letzte Arbeit (nach knapp 100 Jahren) am November 1904" erinnert noch heute an das Ende der Glashütte in Lambach. Im Herbst 1922 übergab Hermann Willmann seinen Anteil an seine Söhne Otto und Paul Willmann, die die Firma in eine Aktiengesellschaft umwandelten. Das Gut Lambach blieb jedoch im Besitz von Hermann Willmann, der das Gut in einen leistungsfähigen Forstbetrieb umwandelte und noch vielen Arbeitern Beschäftigung bot. 1964 schenkte der Nachfolger von Hermann Willmann, der Gutsbesitzer Albert Willmann, der "Herr von Lambach", dessen Ehe kinderlos blieb, dem Bischöflichen Stuhl von Regensburg seinen gesamten Besitz mit 651 Hektar Wald, 20 Hektar äcker und Wiesen und sämtlichen Gebäuden. Dazu gehörte auch die herrschaftliche Villa, die 1905 an Stelle des Franz von Baaderschen Schlossgebäudes entstanden war. Obwohl der Bruder von Albert Willmann einen Sohn hatte, der als Verwalter von Lambach und ausgebildeter Forstwirt Ansprüche auf das Erbe stellte, übergab der Glashüttenherr das Gut Lambach dem Bischöflichen Stuhl von Regensburg. Der alte Mann durfte dafür nach Jahren stolz den Kirchenorden "Pro eccelsiae et ponifice" vorzeigen, der ihm vom Papst für seine GroßZügigkeit verliehen worden war. Er verFügte sogar, dass das gesparte Geld aus seiner bischöflichen Leibrente wieder an den Bischof zurückgegeben werden müsse. Damit fiel der Besitz nach 700 Jahren wieder zurück an die Kirche.
Heute befindet sich ein Kolping-Ferienheim und ein Märchen- und Gespensterschloss in Lambach.


Willmann-Villa in Lambach






>zum Seitenanfang