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Neue Wege bei der Glasherstellung

entnommen aus dem Buch "Zwischen Arber und Osser" von Ulrich Winkler
Rechte: Morsak Verlag GmbH, Grafenau
(mit freundlicher Genehmigung des Morsak-Verlags)
(das Buch erschien 1981 und ist inzwischen vergriffen)


Franz von Baader, Erfinder der Glasschmelze mit Glaubersalz

Von Baader begann sein schwieriges Unternehmen in einer konjunkturell sehr ungünstigen Zeit, die durch harte Konkurrenz und schlechten Absatz gekennzeichnet war. In einem Brief vom 27.9.1809 klagte von Baader seinem Freund Dr. von Stransky über die schlechten Zeiten und "das Elend, das immer gewisser wird: Nicht allein kostet mich die Seesperrung seit vier Jahren erweislich über 100 Münchner Gulden direct und indirect, sondern von Zeit zu Zeit empfiehlt sich meinem geneigten Andenken - ein Freund mit einem Wechselprotest, d.h. mit einem Banquerot.-...Wenn es so fort geht, so werde ich wohl hier bleiben, und meinen Wald zu Erdäpfelfeldern umbauen müssen, um vom Banquerot unabhängig zu sein. Neues und Interessantes kann ich Ihnen sonst von meiner Gegend hier nichts sagen, von deren Wildheit Sie sich schon dadurch einen Begriff machen können, dass ich Ihnen sage, dass noch immer Bären in solcher hausen.- So z.B. befinden sich wieder eben jetzt drei Bären in meinem Revier, und mein Förster liegt mir hart an, ihnen zu Leibe zu gehen.- Ich aber lasse diese unschuldigen, humanen Bestien ruhig gehen, und empfehle sie gerne, wegen ihrer Friedliebenheit, sparsamen Lebensweise, und vielen anderen Tugenden, vielen meiner Mitmenschen!"

Von Baaders erste Versuche mit Glaubersalz waren enttäuschend. 1808 ließ er Dr. Gehlen auf seine "Salin-Tafelglasfabrik" in Lambach kommen, um dessen Methode der Glasschmelze mit Glaubersalz kennenzulernen. Gehlens Versuch auf seiner Hütte bezeichnete Baader "so gut als die früheren Versuche von G. Lampadius als technisch mißlungen". Holl sieht "den glücklichen Wurf für von Baaders Erfindungsstreben in dessen Überlegung, die große blähende Kraft dem Sulfat dadurch zu nehmen, dass er Glaubersalz mit dem Kalk und dem Kohleanteil zuerst zusammen einsott und diese zusammengesottene und wieder getrocknete Masse der Kieselerde beimengte".
Bereits 1809 konnte von Baader verkünden: "Schon der erste auf meiner Glashütte von mir hiermit gemachte Versuch bewies die Richtigkeit meiner Vermuthung, und ich arbeitete meinen ganzen Vorrath von Glaubersalz bis zum Ende der Ofen-Campagne ohne den geringsten ferneren Anstand in solcher Weise auf. Ich nahm zu den Gemengen beinahe 2/3 dieses Salzes und 1/3 Pottasche und erhielt ohne Zusatz entfärbender Stoffe, den ich ohnedies auf meiner Hütte nicht einführte, ein ungleich farbloseres, spiegelnderes und überhaupt besseres Glas, als mein aus Pottasche erzeugtes Tafelglas war, obgleich dieses an Schönheit und Reinheit keinem von den besten Hütten wich."
Stolz schreibt er weiter:
"Als mein Hüttenvolk zuerst Glaubersalzglas zu sehen bekam, pries es mit Recht dessen im Verhältnisse zum Pottascheglas schönere Farbe oder Farblosigkeit und erklärte dasselbe vorZüglich zur weißen Hohlware geeignet."
1811 konnte von Baader in der Spiegelfabrik in Neuhaus bei Wien mit zwei Versuchen seine Erfindung mit Erfolg vorführen. "Seine Unternehmung zu Wien ist vollkommen gelungen, er hat über alle seine Gegner triumphiert und sich große Ehre erworben. Da er aber vorher keine Bedingungen gemacht, sondern seine wichtige Entdeckung der österreichischen Regierung aus Discretion hingegeben hat, so ist er mit einer einstweiligen Entschädigung für seine Reise von 3300 Gulden in Kürze und dem Versprechen einer glänzenden Belohnung zurückgekommen, welche er noch zu erwarten hat, schrieb Baaders Bruder Joseph an seinen Bruder Clemens Alois. Obwohl von Baaders Glasschmelze mit Glaubersalz nicht alle Erwartungen erfüllt hatte und noch einige Probleme zu lösen waren, "bewilligte Seine Majestät der Kaiser dem OberstBergrat von Baader nach überreichung einer eigenen, seine Verfahrensmethode beschreibende Abhandlung durch ein Reskript vom 23. Oktober 1811 eine Remuneration von 12 000 Gulden Wiener Währung".






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