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Bergbau im Lamer Winkel

entnommen aus dem Buch "Zwischen Arber und Osser" von Ulrich Winkler
Rechte: Morsak Verlag GmbH, Grafenau
(mit freundlicher Genehmigung des Morsak-Verlags)
(das Buch erschien 1981 und ist inzwischen vergriffen)


Der Erz- und Quarzbergbau

Noch im 20. Jahrhundert wurde im Lamer Winkel an den geschichtlich schon bekannten Orten Erzbergbau betrieben, wie in den vorausgegangen Jahrhunderten ohne großen Erfolg. Schwefel- und Magnetkies wurden auf der Johanniszeche, 2 km nördlich von Lam, in der "Schmelz" abgebaut. Von 1918 - 1920 förderten die Berg , Hütten und Salzwerke AG 2600 Tonnen Erz. Aufschlußarbeiten der linsenförmigen Lagerstätten in den Kriegsjahren 1943/44 bestätigten noch 2300 Tonnen Erz vor Ort. Eine außerordentlich starke magnetische Anomalie im Bereich Himmelreich läßt Bergbauexperten hier sogar noch ca. eine halbe Million Tonnen Erz vermuten. Die Fürstenzeche, früher auch "Oswald-Fundgrube" bezeichnet, in Buchet östlich von Lam, baute vor allem auf Flußspat. Hier wurde schon im 2. Viertel des 16. Jahrhunderts, dann von 1608 - 1620, von 1692 - 1707, von 1760 - 64 und zuletzt 1962 gearbeitet. Der alte Hauptstollen hatte eine Länge von 650m und eine Tiefe von 55m erreicht. Der Abbau hat sich immer als unwirtschaftlich erwiesen. Dennoch wurde auch im 20. Jahrhundert auf der Fürstenzeche gearbeitet. Die unterhalb des alten Göppelschachtes auf Halde liegenden Flußspatmengen veranlaßten den Bergingenieur Naaf aus Regensburg im Jahre 1928 den Bergwerksbetrieb aufzunehmen. Das Unternehmen mußte aus Geldmangel bald wieder eingestellt werden. Naaf soll lediglich einige Waggonladungen Flugspat aus der alten Halde gewonnen haben. Ein vom Oberbergamt München 1936 erstelltes Gutachten über die Fürstenzeche fiel weitgehend negativ aus. Dies hinderte aber die Flugspat AG Frankfurt nicht, mit Unterstützung der Gesellschaft für Aufschluß von Bodenschätzen ab 1953 und dann etwa ab 1960 hier nochmals ans Werk zu gehen. In 90 m Tiefe sollte ein 900 m langer Stollen in Richtung Osser vorgetrieben werden. Als in 83 m Tiefe im August 1962 der Anschluß an die alten Stollen hergestellt war, brachte ein plötzlicher Wassereinbruch das Ende des Bergbaues in der Fürstenzeche. Große Bedeutung hatte im Lamer Winkel der Bergbau auf Quarz, den die Glashüttenmeister betrieben. Der bekannteste Quarzbruch befindet sich am Hörndl, das meist falsch Hörlberg genannt wird. Die pegmatitische Quarz-Feldspat-Lagerstätte wurde 1789 wahrscheinlich von Lohberger Glaßhüttenleuten gefunden. Die beiden Glashüttenmeister in Lohberg, die Freifrau von Schmauß und Jakob Klingseisen, stritten sich um die Entdeckung des Bruchs und um seine Ausbeutung. Nachdem die Gerichte entschieden hatten, dass die Hüttenmeister den bruch gemeinsam zu nutzen hätten, wurde Raubbau am Hörndl getrieben. Der glasig durchscheinende Quarz war vorZüglich. Auch nach den großen, schwarzen, flächenreichen Turmalinkristallen wurde wegen ihrer Seltenheit eifrig gesucht, denn damit war Geld zu verdienen. Turmaline vom Hörndl sind in aller Welt in Mineraliensammlungen zu bewundern. Am Hörndl wurde etwa bis 1833 Quarz gebrochen, so lange als die Lohberger Hüttenmeister ihre Glashütten betrieben. 1838 ist der bruch am Hörndl als "verrollt" bezeichnet. Er wurde seither nicht mehr in Betrieb genommen. Ein weiteres Bergwerk auf Quarz und Feldspat liegt in ca. 1150 m Höhe am Schwarzeck; es ist eines der höchstgelegenen Bergwerke Bayerns. In der Hirschengrube wurde von 1895 - 1907 Quarz abgebaut. 1907 endete mit dem Brand der Lohberger Hütte die Glasproduktion im Lamer Winkel für immer. Erneut ging 1957 der "Hirschenwirt" Georg Sperl von Lam mit bescheidenen Mitteln ans Werk, um in der Grube Feldspat abzubauen. Nebenbei lieferte er zur Herstellung von Silumin hochwertigen, glasklaren Quarz nach Trostberg. Der unrentable Bergbau wurde nach dem Tod des Hirschenwirtes wieder eingestellt. Immer wieder haben seit dem 15. Jahrhundert mutige Unternehmer im Lamer Winkel ihr Glück im Bergbau gesucht. Heute weiß man gewiß, dass das Waldgebirge rund um den Lamer Winkel zwar reich an seltenen Gesteinen und Erzen ist, aber kein gewinnbringender Bergbau möglich ist, weil sowohl die Quantität als auch die Qualität des Erzes nicht ausreichen. Wenn auch der Bergbau im Lamer Winkel aus heutiger Sicht der Vergangenheit angehört, wer weiß schon, wie man im 21. Jahrhundert darüber denkt? Die alten Bergleute haben auf die im Schoß des Waldgebirges verborgenen Schätze der Natur aufmerksam gemacht. Jedenfalls hat es der Lamer Bergbau seit seiner urkundlich ersten Erwähnung im Jahre 1463 bis zu seiner Einstellung im Jahre 1962 auf immerhin genau 500 Jahre gebracht.
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Freunde der Geologie und Mineralogie wird der Mineralienreichtum des Lamer Winkels, vor allem in den Glimmerschiefern des Künischen Gebirges wie auch in den Gneisen des Arber- und Schwarzeck-Gebirgszuges immer, anziehen. Auf den alten Bergwerkshalden in der Schmelz und in Buchet wird der Mineraliensammler noch lange Phyrit, Bleiglanz, Zinkblende, Kupferkies neben Flußspat, Kalkspat, Quarziten und Graphitschiefern finden. Andalusite sind im Himmelreich und in der Hirschengrube auf dem Schwarzeck häufiger. Der aussichtsreiche Fundort für Turmaline und Almandine aber ist das weltbekannte Hörndl. Granate, Bergkristalle, Rosen- und Rauchquarze kann man rund um den Lamer Winkel antreffen.








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