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1962 fuhr der letzte Hauer in die Lamer Fürstenzeche

Artikel aus der Chamer Zeitung vom 16.06.2007, von Otto Neidhardt
(Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Chamer Zeitung, Wolfgang Reimer)



War die Glashütte in Engelshütt eigentlich eine Erzschmelzhütte?

Von Otto Neidhardt. Der Lamer Winkel ist reich an Bergwerken.
Allein im Umgriff der "Fürstenzeche", des wohl bedeutendsten Bergwerkes, findet man heute noch sieben Binge (durch Einsturz alter Gruben entstandene trichterförmige Erdvertiefungen), verschüttete Stolleneingänge und zugeschüttete Göppel- , Entlüftungs- und Entwässerungsschächte, die auch in Karten verzeichnet sind. Der von der Ginglmühle bei Lam stammende und in München am Staatsarchiv tägig gewesene königlich bayerische Archivar dr. Georg Schrötter hat in seiner Zeit in Nürnberg (1904 bis 1912) die "Geschichte des Dorfes Lam und des Lamertales" veröffentlicht, wo er unter anderem die Geschichte des Bergbaues im Lamer Winkel aufgrund ihm zugänglicher Urkunden ausführlichst dokumentierte. Demnach sollen schon im achten Jahrhundert Bajuwaren das Gebiet am "Arber, Ossa und Hohenbogen" auf der Suche nach Gold und Silber durchstreift haben. Doch angesiedelt oder nach Erzen gegraben hat damals noch niemand. Der Lamer Heimatforscher Kurt Sanetra hat in Band zwei der Reihe "Beiträge zur Geschichte im Landkreis Cham" 1985 die Ausführungen Schrötters über den Bergbau in konzentrierter Form niedergeschrieben. Beide Publikationen wurden für diesen Artikel verwendet. Der Bergbau im Lamer Winkel begann belegbar knapp 200 Jahre nach der Schenkung und Besiedlung des Waldgebietes zwischen "Ozzer, Adwich und Dwerheke" durch den Bischof Heinrich II. von Regensburg an das Kloster Rott am Inn am 29. Mai 1279 mit der Erlaubnis vom 18. April 1463 durch die Herzöge Johann IV. und dessen Bruder Sigismund von Bayern, "überall in unseren Landen zu obern- und nidern Pairn (Ober- und Niederbayern) allenthalben Perckwerch Golt- und Silberärzt zu suchen?" Am 6. Juni 1463 erhielt Hanns Swanser urkundlich "in der Lamm an einem Berg, genannt der Loperg" das Bergrecht. Weil es den Ort Lohberg zu der Zeit noch nicht gab und der Osser bereits namentlich bekannt war, dürfte es sich bei der Bezeichnung "Loperg" um den Höhenrücken (wörtlich "Berglehnen des Osser- Ausläufers") handeln, auf dem die schon bald darauf erwähnte Ortschaft Silbersbach liegt. Und obwohl "viel fremdes Volk dorthin strömte", erfüllten sich die großen Erwartungen nicht. Mit dem beginnenden 16. Jahrhundert entstanden im Zusammenhang mit reicheren Funden eine Reihe von Bergwerken an den Osserhängen (Dachsberg) und am Lameck (wahrscheinlich die Johanneszeche in der heutige Vorderschmelz). Die Herzöge Wilhelm IV. (Bayer. Reinheitsgebot 1515) und sein Bruder Ludwig X. von Bayern bewilligten zur Ankurbelung des Bergbaues - sicher nicht ganz uneigennützig - immer neue Privilegien, unter anderem erhoben sie die Orte Bodenmais und Lam 1522 zu vollkommen gefreiten Bergstätten (Stadtrecht nach dem Muster der St. Annaberger Bergordnung). Gefördert wurde silberhaltiger Bleiglanz, Kupferkies, Zinkblende, Flussspat, Magnet- und Schwefelkies und kristallisierte dunkelrote Granate. Herzog Wilhelm IV. ließ in Erwartung reicher Gewinne 1522 am "Ossa" eine eigene Zeche, die sogenannte "Fürstenzeche", zeitweilig auch Oswaldgrube genannt, bauen. Die "reiche" Ausbeute blieb jedoch aus. Auch die Gewinnung der reinen Metalle aus den zu Tage Geförderten Erzen in Schmelzhütten verursachte zu hohe Kosten. So befahl der Nachfolger Herzog Albrecht V. 1550, dass sämtlicher Grubenbau alsobald einzustellen sei. Das hatte zur Folge, dass die Bergleute der anderen Gruben resignierten und den Erzabbau in der St. Johannisgrube und die Schwefelgewinnung in der Hütte bei Engelshütt einstellten. Dieser Ort wird 1330 als Nünleinshütte, 1462 als Undelshütt, 1496 als Enngelshüt, 1538 als "Englashütt", 1555 als "Englashiet" genannt. Da keinerlei Dokumente über eine Glashütte, die von zirka 1280 bis etwa 1320 dort gestanden haben müsste, vorhanden sind, könnte die Endung "- hütt" auch auf eine Erzschmelzhütte hindeuten, da plötzlich auch der Ortsname "Schmelz" in der Nähe von Engelshütt auftaucht. Erst am 23. Januar 1693 wurden die Bergwerke in Lam (Fürstenzeche) und Lameck (St. Johannis) wieder erwähnt. Doch war der Aufwand immer Höher als der Gewinn, so dass bis auf das Jahr 1697 Einnahmen von 14 440 Gulden 40 Kreuzer und Ausgaben von 26 020 Gulden verzeichnet wurden. 1707 wurde der Betrieb eingestellt und von 1760 bis 1764 wurde mit bescheidenen Mitteln erneut gearbeitet. 1928 bis 1929 wollte der Regensburger Bergbauingenieur Arthur Naaf am Göppelschacht der Fürstenzeche in der Nähe von Berghäusl mit 20 Arbeitern bis zu einer Tiefe von 35 Metern abtäufen und - nachdem er den Flussspat aus den dortigen mittelalterlichen Halden ausgewaschen und umgekuttet hatte - den alten Stollen anfahren. Doch Wasserzuflüsse verhinderten das Vorhaben. 1952 förderte man erneut Flussspat, in Wirklichkeit wollte man Uran finden. Doch 1958 scheiterte das Unternehmen an einem erneuten Wassereinbruch und wurde am 27. April 1962 endgültig eingestellt. Bis August 1962 wurde die Fürstenzeche zurückgebaut und die Eingänge gesprengt. Von den seinerzeitigen Hauern leben heute noch drei, Alois Berlinger, Julius Kellner und Franz Huber. Von den insgesamt 1 000 Metern Stollenlänge hatte der alte Hauptstollen eine Länge von 650 Metern und befand sich 83 Meter unter dem Eingangsstollen. über Gleise mit drei Drehscheiben, einem Senkrechtaufzug und einen Schrägaufzug (Bremsberg) wurde der Abraum zum Eingangsstollen gefördert und von dort ans Tageslicht gebracht. Ab 1992 wurde die Fürstenzeche durch Thomas Obermüller wieder aufgewältigt und 1996 bis 1997 zum Besucherbergwerk und zum Heil- und Therapiestollen ausgebaut. Seit 12. Januar 1998 sind zirka 400 Meter zur Besichtigung gefahrlos zu befahren. Die 40- Metersohle und die 80- Metersohle sind nicht erschlossen und stehen unter Wasser, doch mit Silber imprägnierte Wände, fluoreszierende Mineralgänge und uralte original belassene Holzausbauten bis zur Ortsbrust (Arbeitsort der Bergleute) im Querschlag und alte Grubenlampen, Bohrhämmer und Gezähe (Werkzeug der Bergleute) sind in jedem Fall sehenswert.







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