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Im schlimmsten Fall droht die Schließung

Artikel aus der Kötztinger Zeitung vom 24.06.2017, von Jürgen Hirtreiter
(Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Kötztinger Zeitung, Jürgen Hirtreiter)



Wald-Verein will Schutzhaus am Osser sanieren und hofft auf finanzielle Unterstützung

Die Berghäuser und Schutzhütten im Bayerischen Wald, oft traumhaft gelegen, sind beliebte Wander- und Ausflugsziele. Viele Häuser allerdings sind stark sanierungsbedürftig. Eigentümer und Pächter klagen über immer strengere Auflagen für Hygiene und Brandschutz. Die Investitionskosten übersteigen schnell die Millionengrenze.
Staatliche Förderungen für die Sanierung gibt es – im Gegensatz zu Österreich – nicht. Am Großen Osser steht eine umfassende Renovierung, am Falkenstein ein Neubau an. Für den Bayerischen Wald-Verein als Eigentümer ein schwieriges Unterfangen.
Die Braut muss geschmückt werden: Die Braut, das ist in diesem Fall das Osserschutzhaus. Der Lamer Wald-Vereinsvorsitzende Klaus Butz und Hüttenwart Klaus Neuberger verwenden dieses Bild immer wieder, wenn sie über den anstehenden Pächterwechsel sprechen. Ende 2018 läuft der Vertrag mit Sebastian Augustin aus. Darauf haben sich beide Seiten geeinigt. Bis dahin muss das Osserschutzhaus fit gemacht sein. Und da gibt es jede Menge Baustellen.
Der Weg vom Kornschlag zur Bergwacht-Hütte, der an mehreren Stellen durch Regen ziemlich ausgeschwemmt wurde, muss dringend saniert werden. Die Marktgemeinde Lam hat zwar eine 50-prozentige Bezuschussung mit Naturpark-Mitteln in Aussicht gestellt, der Rest bleibt aber bei der Sektion.
Ob der Bischöfliche Stuhl von Regensburg als Grundeigentümer in die Bresche springt, bleibt abzuwarten. Rund 400000 Euro kostet eine eigene Stromleitung von Lambach zum Osser. Bisher versorgt ein mit Gas betriebenes Blockheizkraftwerk das Osserschutzhaus mit Energie. Dieses läuft allerdings nicht immer, im Winter frieren Wasserleitungen ein. Die Abwärme verpufft.
Vieles ist marode.
An heißen Sommertagen – wie gerade jetzt – sitzt der Wirt sprichwörtlich auf dem Trockenen, es muss dringend eine neue Quellfassung erschlossen werden. Eine Probebohrung ist bereits geplant. Der Lastenaufzug zur Hütte ist in die Jahre gekommen und funktioniert mehr schlecht als recht. Im Haus selbst steht die Modernisierung der Schänke an. Ein weiteres Problem, das viele Wanderer kennen: Geruchsbelästigung in den Toiletten. „Wir wollen, dass das Osserschutzhaus ein Besuchermagnet bleibt und Wanderer weiter hier übernachten können“, gibt Klaus Butz die Richtung vor. Punkt für Punkt soll nun mit dem Landratsamt Cham geklärt werden, was im Vorfeld des Pächterwechsels gemacht werden muss. „Wir wissen zum Beispiel noch nicht, was in puncto Brandschutz alles auf uns zukommt“, so der Vorsitzende.
„Wir müssen gründlich vorgehen. Aber langsam drängt die Zeit.“ Klaus Neuberger hat als Hüttenwart schon länger die Fühler ausgestreckt und sich nach möglichen Förderungen erkundigt. Bisher vergeblich. Das Osserschutzhaus wird als gewerblicher Betrieb eingestuft, staatliche Förderungen fallen damit weg. Anders als zum Beispiel in Österreich, wo Berghütten bisher immer gefördert wurden. „Fakt ist, dass wir diese Mammutaufgabe ohne Hilfe von außen nicht stemmen können. Das Osserschutzhaus liegt auf dem Goldsteig-Zuweg und hat eine überregionale Bedeutung. Wir brauchen als Wald-Vereinssektion dringend Unterstützung“, sagt Neuberger. Diskutiert wird auch über einen langfristigen Vertrag mit einer Brauerei, die einen Teil der Investitionen mittragen könnte. Zum Beispiel die Möblierung in der Gaststube. Nicht mehr tabu ist ein Verkauf an einen neuen Eigentümer. Gedankenspiele gibt es viele – Butz und Neuberger schrecken auch nicht zurück, den schlimmsten Fall ins Spiel zu bringen. „Wenn wir keine Lösung finden, muss das Haus geschlossen werden.“

So weit wird es hoffentlich nicht kommen. Auch Landrat Franz Löffler und Bürgermeister Paul Roßberger sind mit dem Thema betraut. Es laufen auf unterschiedlichen Ebenen Gespräche. Zunächst müsse allerdings ein Sanierungs- und Nutzungskonzept vorliegen, um dann Fördermöglichkeiten über die Ministerien angehen zu können, sagt Landrat Franz Löffler. Seinen Worten zufolge gebe es „erste hilfreiche Ansätze, wie das Osserschutzhaus unterstützt werden könnte“. Details nennt Löffler derzeit noch nicht. Das Osserschutzhaus habe allerdings überregionale Strahlkraft und sei an der Nahtstelle der ehemaligen Grenze neben seiner touristischen Bedeutung auch ein historisch wichtiger Ort, so der Landrat gegenüber unserer Zeitung.

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