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Die Kötztinger Hütte: Eines der bedeutendsten Wanderziele in der Region

Artikel aus der Kötztinger Zeitung vom 09.08.1997
(Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Kötztinger Zeitung, Jürgen Hirtreiter)



Ein Zeitzeuge wechselvoller Heimatgeschichte
1929 errichtet, im Krieg zerstört und 1949 wiederaufgebaut
Heute eine gut besuchte Ausflugsgaststätte


Kötzting. (hi) Sie ist eines der bedeutendsten Wanderziele im Kötztinger Land, bietet seit fast 70 Jahren nach dem Naturerlebnis einer Kaitersberg-Wanderung Schutz und Unterkunft und ist heute - nicht nur für Wanderer - ein beliebter Treffpunkt zwischen Kötzting und Eck: die Kötztinger Hütte. 1929 hoch droben auf dem Hausberg der Pfingstrittstadt errichtet, kurz vor Kriegsende von der amerikanischen Artillerie in Brand geschossen und 1949 wieder aufgebaut, ist die Berghütte zu einem Zeitzeugen der wechselvollen Geschichte dieses Jahrhunderts geworden, ist die Geschichte dieses Hauses ein Spiegel der politischen und wirtschaftlichen Veränderungen in unserer Heimat.

1929 schlug die Geburtsstunde
Die Geschichte der Kötztinger Hütte nahm 1929 ihren Anfang. Die Ortsgruppe der "Deutschen Wacht", einer patriotischen Bewegung mit dem Ziel "Abwehr völkischer Gefahr, die der Ostmark von Seiten der Tschechen droht", hatte auf dem Mittagsstein eine erste Schutzhütte erbaut. Ironie des Schicksals: Nur wenige Jahre später sollte der Verein an dem "Werk der Heimatliebe auf dem Kaitersberg" zerbrechen. Die Begeisterung der Gründerjahre war verschwunden, die Hütte - zwar gut besucht - brachte nicht den erhofften Ertrag. Auslagen konnten zwar gedeckt werden, Zuschüsse blieben aber fern. 1934 beschloß die Deutsche Wacht, die Hütte zu verkaufen. Doch es fand sich kein Interessent, der bereit war, die ganze Schuld als Kaufpreis zu bezahlen. Nach mehrjährigem hin und Her über den Fortbestand - sogar über Zwangsversteigerung wurde diskutiert - war am 2. Mai 1945 das Schicksal der Kötztinger Hütte besiegelt. Da richteten sich die Rohre der amerikanischen Feldartillerie gegen den Mittagsstein. Gerüchte besagten, dass sich dort versprengte SS-Einheiten eingenistet hätten. Nur wenige Schuß fauchten von Wettzell aus gegen den Mittagsstein, die Hütte ging in Flammen auf und brannte bis auf die Grundmauern nieder.

Geld für den Wiederaufbau fehlte
Nur noch verkohlte Reste zeugten von der Kötztinger Hütte. Mittel aus öffentlicher Hand für einen Wiederaufbau fehlten, die meisten Vereine, die dieses Projekt hätten in die Hand nehmen können, hatten sich aufgelöst. Retter in der Not war der Holzfabrikant Willy Silberbauer aus Hohenwarth, der 1948 aus eigenen Mitteln eine neue, Größerer Hütte baute. "Mit Pferden und einem alten Schützenpanzer wurde das Baumaterial auf den Mittagsstein gebracht", berichtet der heutige Besitzer und Sohn von Willy Silberbauer, Horst Silberbauer. Im Juni 1949 war es soweit: In festlichen Rahmen wurde die neue Hütte auf dem Kaitersberg eingeweiht. Eine neue Ära begann. Doch wieder schlug das Schicksal gnadenlos zu: Willy Silberbauer, Besitzer und Wirt der Kötztinger Hütte, kam nur ein Jahr später bei einem Unfall ums Leben. Seine Frau und seine Kinder führten sein Werk fort. Seit 1964 ist Horst SIlberbauer "Chef" auf der Kötztinger Hütte; das ganzjährig geöffnete Haus wurde unter seiner Regie mehrmals erweitert, umgebaut und modernisiert. Die gute Lage mit dem herrlichen Ausblick auf das Zellertal, zum Arber und in den Lamer Winkel, die Gastlichkeit und nicht zuletzt der Service haben dem Hüttenwirt viele Stammgäste beschert. Leute aus ganz Deutschland besuchen immer wieder das Berggasthaus. Nach einer Wanderung vom Eck aus, hinauf zum Riedelstein, vorbei an den zwei mächtigen Felstürmen der Rauchröhren und nach überqueren des Steinbühler Gesenkes erreicht man die Kötztinger Hütte, wo man sich auf der Sonnenterasse verwöhnen lassen kann. Horst Silberbauer berichtet, daß auch viele Vereine und Betriebe Versammlungen und Seminare in den Räumen der Hütte abhalten. Im Laufe der Zeit hat sich der Charakter der Kötztinger Hütte geändert. Aus einer ehemals kleinen, urigen Berghütte ist ein gut besuchtes Berggasthaus geworden. "Wir mußten uns natürlich der Zeit anpassen", nennt Horst Silberbauer den Grund für die vielen baulichen Veränderungen.

"...fahre ich nie mehr bei Schnee"
Elfriede und Horst Silberbauer, die heute mit einem fünfköpfigen Team die Kötztinger Hütte führen, haben in 33 Jahren auf dem Mittagsstein viel erlebt. Beschwerlich waren vor allem die ersten Jahre nach dem Wiederaufbau der Hütte, mit Rucksäcken transportierten Elfriede und Horst Silberbauer den Proviant auf den Berg. "Damals legten wir jeden Tag die Strecke rauf und runter zu Fuß zurück." Auch später, als die Familie ein Auto hatte, blieben Probleme nicht aus. Elfriede Silberbauer erinnert sich: "Einmal, fuhr ich im Herbst, der erste Schnee war schon Gefallen, mit meinen vier kleinen Kindern von Hudlach aus über den alten Fahrweg zur Hütte. Am steilsten Stück drehten die Räder durch und ich mußte anhalten. Beim Versuch Rückwärts zufahren rutschte das Auto den ganzen Hang zurück. Seitdem fahre ich diese Strecke nie mehr bei Schnee."

Rudolf Schock und die Wanderer
Trotz der vor allem in den Wintermonaten beschwerlichen und oft Gefährlichen Fahrten hinauf zur Hütte - manchmal dauerte die Anfahrt über drei Stunden - waren Elfriede und Horst Silberbauer tagtäglich für ihre Gäste da. Neben all den Strapazen haben die Wirtsleute viele fröhliche und vergnügliche Stunden mit ihren Gästen erlebt. Apropos Gäste: da besuchte doch einmal der berühmte Opernsänger Rudolf Schock mit einer Wandergruppe die Kötztinger Hütte. Nur: Keiner erkannte den Starsänger. Erst als sich die Gruppe wieder auf den Weg machte und der durch Funk und Fernsehen bekannte Künstler leise zu singen begann, fiel bei dem einen oder anderen Hüttenbesucher der Groschen. Im Sommer 1999 werden es 70 Jahre sein, dass auf dem Kaitersberg zum ersten Mal ein Gast in einer Berghütte einkehren konnte. Interessant am Rande: Im Mai 1945 wurde das Berghaus von der US-Artillerie in Brand geschossen, vier Jahre nach dem Beschuß durch die Amerikaner übernahm der Direktor der amerikanischen Militärregierung bei der Einweihung des neuen Gasthauses die Schirmherrschaft.




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