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Seit 50 Jahren: Fernsehen vom Hohenbogen

Artikel aus der Kötztinger Zeitung vom 21.12.2011, von Daniel Paul
(Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung durch den Autor Daniel Paul und der Kötztinger Zeitung, Jürgen Hirtreiter)



Am 21. Dezember 1961 startete Übertragung des Deutschen Fernsehens - "Weihnachtsgeschenk"


Hohen Bogen. Es ist wohl heute kaum mehr vorstellbar, welche Bemühungen Anfang der 60er Jahre der Inbetriebnahme eines Fernsehsenders am Standort der UKW-Station (errichtet 1952) des Bayerischen Rundfunks auf dem Burgstallgipfel damals vorausgingen und welche Freude nach dessen Fertigstellung bei den Zuschauern herrschte. Diese Freude spiegeln auch viele Zeitungsberichte aus der damaligen Zeit wieder. Von einem Weihnachtsgeschenk des Bayerischen Rundfunks war seinerzeit die Rede. Denn unsere Region blieb trotz Inbetriebnahme der Fernsehsender Ochsenkopf und Dillberg ab Mitte der 50er Jahre sowie des Senders Brotjacklriegel Ende des Jahres 1960 ein unterversorgtes Fernsehgebiet. Eine ganze Reihe von Fernsehteilnehmern aus dem hiesigen Raum hatte zu dieser Zeit mit dem Bayerischen Rundfunk wegen des schlechten Empfangs des Deutschen Fernsehens im Grenzgebiet korrespondiert, auch die Stadt Furth im Wald wandte sich mehrmals an den BR in München.
Im April 1961 weilte schließlich eine Kommission des Bayerischen Rundfunks in Furth, um die notwendigen Baumaßnahmen zur Fernsehübertragung vom eigenen Haussender am Burgstall festzulegen. Dazu wurden im Sommer 1961 erhebliche Umbauten am Sendegebäude vorgenommen. Ein neues Fundament für die Aufnahme des mehrere Meter langen Senders sowie eine Belüftungsanlage wurden eingebaut. Anschließend folgte die Montage des neuen 10 kW (Kilowatt) Fernsehsenders der Firma Lorenz. Die UHF-Sendeantennen montierte man am bestehenden 30 Meter hohen Gittermast.
Nach der erstmaligen Inbetriebnahme mit der Aufschaltung des eigenen Testbildes am 20. Dezember 1961 um 14.30 Uhr war es dann am darauffolgenden Tag soweit: Am 21. Dezember 1961 um 16.50 Uhr startete der von der Bevölkerung lang ersehnte Sendebetrieb mit der Übertragung des Deutschen Fernsehens auf dem UHF-Kanal 55.
Die Programmzuführung erfolgte anfangs ausschließlich über Ballstrecken von den umliegenden Stationen wie beispielsweise dem Dillberg. Doch schon knapp zwei Jahre später übernahm dies eine Richtfunkstrecke der Deutschen Bundespost, die am 11. September 1963 in Betrieb ging. Dazu wurde auf dem Dach des BR-Stationsgebäudes erstmals eine große Richtfunk-Muschelantenne montiert. Laut dem BR-Senderverzeichnis mit Stand August 1963 betrug die Strahlungsleistung (ERP) damals 225 kW (Bild) und 45 kW (Ton). Dies war seinerzeit der erste leistungsstarke Fernsehsender Bayerns im neuen UHF-Frequenzband V. Zum Hauptversorgungsgebiet des Senders am Hohenbogen zählten von Beginn an der gesamte Obere Bayerische Wald - dies waren vor der Gebietsreform 1972 die damaligen Landkreise Cham, Kötzting, Roding und Waldmünchen - sowie der Altlandkreis Viechtach. Im Streugebiet reichen die elektromagnetischen Wellen bis heute vom Gäuboden, Über Teile des Landkreises Regensburg bis in das Oberpfälzer Seenland und den Oberpfälzer Wald hinauf nach Oberviechtach.
Drei Jahre später reiften die Planungen zum weiteren Ausbau der Sendestation. Auch die Deutsche Bundespost, die mit der Übertragung des Zweiten Fernsehprogramms und später des "dritten" beauftragt wurde, bekundete ebenfalls ihr Interesse am Standort Hohenbogen. Da aber der alte Gittermast aus dem Jahr 1952 ausgelastet war, entschloß sich der BR, einen neuen Sendeturm zu errichten. Hinsichtlich der Bauweise herrschte zunächst Uneinigkeit. Am Ende konnten sich aber die Fürsprecher eines Betonturmes gegen die Verfechter eines neuen Gittermastes durchsetzen. So wuchs im September und Oktober 1964 Stück für Stück der Betonriese, der am 30. Oktober seine endgültige Höhe von 50 Metern erreichte. Die Baufirmen Held & Francke sowie Polensky & Zöllner haben mit dem Bau des neuen Sendeturms, der mit Hilfe einer Gleitbauschalung täglich etwa drei Meter an Höhe zunahm, eine hervorragende Leistung vollbracht. Dem Betonturm wurde schließlich 1965 ein Stahlmast als Antennenträger aufgesetzt und zum Schutz vor Witterungseinflüssen mit einem Kunststoffmantel umkleidet. Die Kosten für den neuen Sendeturm beliefen sich auf 650.000 Mark. Auch das Sendegebäude wurde nach Süden mit einem Flügel erweitert, in dem die Post ihre Anlagen unterbrachte. Der Kostenaufwand der Post betrug damals 1,4 Millionen Mark.
So konnte am 4. November 1965 auch das Zweite Deutsche Fernsehen und schließlich am 16. Dezember 1969 das Studienprogramm des Bayerischen Rundfunks, aus dem später das Bayerische Fernsehen wurde, vom Hohenbogen starten. Die Anlagen für das zweite und dritte Fernsehprogramm betrieb und betreute bis zur Umstellung auf das digitale Antennenfernsehen am Nikolaustag 2006 die Deutsche Bundespost bzw. später die Deutsche Telekom, die sich am Burgstall zusammen mit dem Bayerischen Rundfunk in friedlicher Koexistenz das Gebäude teilten. Während der BR seine Station bis zum heutigen Tag als "Sender Hoher Bogen" bezeichnet, führte die Deutsche Bundespost die Anlage am Hohenbogen unter dem Namen "Funkübertragungsstelle Kötzting 1". Die Post wählte bei der Bezeichnung ihrer Stationen immer den Ortsnamen der zugehörigen Vermittlungsstelle. Dadurch, dass alle drei Programme von einem Standort und in einem Frequenzbereich abgestrahlt wurden, genügte für den Empfang vom Hohenbogen eine einzige Antenne. Als am 25. August 1967 das PAL-Farbfernsehen in der Bundesrepublik an den Start ging, hielt es von Beginn an auch im Oberen Bayerischen Wald Einzug. In den folgenden Jahren begann nun Zug um Zug der weitere Lückenschluß mittels kleiner Fernsehfüllsender, die an exponierten Stellen im Versorgungsgebiet des Hohenbogen errichtet wurden. Dadurch konnten auch abgelegene Täler und Winkel erreicht werden, die aufgrund der schwierigen topographischen Verhältnisse vom Sender am Burgstall nur unzureichend versorgt waren. Über diese Inbetriebnahmen war immer wieder groß in der örtlichen Presse zu lesen. Als beispielsweise im Oktober 1974 der Füllsender am Kolmstein für Neukirchen b. Hl. Blut in Betrieb genommen wurde, belief sich die Berichterstattung in der Kötztinger Zeitung auf eine ganze Zeitungsseite. Unvergessen ist auch der Bruch der Antennenspitze am stürmischen Allerweltskirta-Sonntag 1974. Der Ausbau und der Fortschritt der Senderanlage war in all den Jahren ihres Bestehens stets vom Engagement und großartigen Einsatz des Stationspersonals geprägt, was sich bis zum heutigen Tag fortgesetzt hat. Der hochmoderne und herausgeputzte BR-Grundnetzsender am 976 Meter hohen Burgstallgipfel ist heute, 50 Jahre nach Inbetriebnahme des ersten Fernsehsenders, sowohl bei der TV- als auch seit kurzem bei der Hörfunkübertragung voll im digitalen Zeitalter angekommen. Zwölf Fernsehprogramme sowie sieben analoge UKW- und 14 digitale (DAB+) Hörfunkprogramme sind aktuell von der Station empfangbar und bieten eine noch nie dagewesene Vielfalt.






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