waldberge.de
Home>Zwirenzel und Umgebung


Ruhmreiches Athen

Rätselhafte Schriftzeichen am Zwirenzel

In der Nähe des höchsten Punktes vom Zwirenzel, abseits von jedem Weg, findet man Bäume mit Schriftzeichen.
Zuerst einmal eigentlich nichts besonders.
Liebesschwüre, Initialen mit und ohne Herz,...trifft man oft an markanten Plätzen. Auch am Kreuzfelsen vom Zwirenzel haben sich viele in der Baumrinde und manche auch im harten Fels verewigt.
Aber die Inschriften, welche auf den nachfolgenden Fotos zu sehen sind, geben doch Rätsel auf:


Oh du strahlendes und mit Veilchen bekränztes und verehrungswürdiges



Fundament (stütze) Griechenlands, ruhmreiches Athen, göttliche Stadt



Ruhmreiches Athen


Bei der Recherche nach der Bedeutung der Buchstaben, war der erste Gedanke:
Kyrillisch Zeichen -> Russisch.
Aber kyrillischen Buchstaben werden nicht nur im Russischen gebraucht. Auch in Bulgarien, in der Ukraine, in Weißrussland und in Serbien werden sie verwendet. Auch in Kasachstan werden die, von den Brüdern Kyrill und Method im 9.Jahrhundert eingeführten Schriftzeichen, benutzt.
Vielleicht illegale Einwanderer?

Ein Bekannter tippte dann mehr auf Vornamen aus Tadschikistan und konnte korrektes russisch aber ausschließen.
Die nächste Spur führte nach Kirgisien: "Kai für immer mein".
Ein Liebesschwur? Nein, das war falsch.
Eine Kollegin erkannte schließlich das Wort "Griechenland" auf einem Baum. Damit war die richtige Fährte Gefunden. Das kyrillische Alphabet hat zahlreiche griechische Buchstaben übernommen. Es waren keine kyrillischen Zeichen, keine Russischen, sondern Griechische! Nächstes Problem: es war kein reines Griechisch sondern Altgriechisch. Genauer: dorischer Dialekt des Altgriechischen.

Die Übersetzung:
Bei dem Text handelt es sich um einen Lobpreis auf die Stadt Athen des Dichters Pindaros
(geboren um 520, gestorben kurz nach 445 v. Chr.):

Oh du strahlendes und mit Veilchen bekränztes und verehrungswürdiges Fundament (stütze) Griechenlands, ruhmreiches Athen, Göttliche Stadt
Ruhmreiches Athen



Wie kommen nun altgriechische Buchstaben an Bäume vom Zwirenzel?

1887 wurden in Geigant mit italienischen Gastarbeitern eine Million Ziegel gebrannt. In Waldmünchen waren um 1900 italienische Ziegelarbeiter beschäftigt. Eine andere Möglichkeit sind evtl. die ukrainischen Zwangsarbeiter welche zu Kriegszeiten in der Gegend arbeiten mussten. Eventuell war bei diesen Personen einer mit griechischen Sprachkenntnissen?

Zum Alter der Schriften:
Seitlich ist die Zahl "60" eingeritzt.
Auch vom Umfang und der Größe der Bäume könnte das Jahr 1960 in Betracht kommen.




Nochmals vielen Dank an alle bei der bisherigen "Ermittlung" Beteiligten:
G. Buck, A. Finkernagel, E. Forozidou, T. Ihnken, C. Kreienbühl,
H. Schneider, E. Schubert, L. Zacharias





>zum Seitenanfang