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Die Erdgeschichtliche Entwicklung

von Fritz Pfaffl (Geologe, Mineraloge)
aus dem Buch "Die Mineralien des Bayerischen Waldes"
(Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors)


Der Bayerische Wald ist Teil einer geologischen Einheit, die nach dem Fluss Moldau (Moldava) im Kerngebiet und der Donau (Danubia)als Südwest-Begrenzung als Moldanubikum bezeichnet wird.
Das Moldanubikum ist das älteste kristalline Grundgebirge in Mitteleuropa. In einer riesigen Geosynklinale (Erdmulde) im Gebiet des heutigen Moldanubikums, sowie nach Südwesten und Südosten weit hinausgreifend, lagerten sich in einer Mächtigkeit bis zu 12 km Sedimente ab, die aus Grauwacken, Sanden, Tonen, Mergeln und Kalken mit Resten niederer Organismen bestanden. Diese Erdmulde wurde durch das große Gewicht seiner Füllung abgesenkt, dann von Magmaströmungen des heißen Erdinnern erfasst und wieder herausgepresst. Dabei wurden die Sedimente durch Hitze und druck zu Paragneisen umgewandelt und Gefaltet. Diese Vorgänge werden als assyntische Gebirgsbildung, die Erdepoche, in der dies geschah, als Präkambrium bezeichnet.
Zwischen den präkambrischen Ablagerungen hatten sich auch mit Ton gemengte schwefelige Stoffansammlungen befunden, die durch die Gebirgsbildungsvorgänge zu Schwefel- und Magnetkies umgewandelt wurden. Auf diese Erze im Gebiet zwischen Drachselsried, Bodenmais und Lindberg ging in früherer Zeit lebhafter Bergbau um.

Aus den tonigen Ablagerungen mit den Resten primitiver Kalkalgen entstanden hauptsächlich graphithaltige Gneise. Vor Ca. 600-400 Millionen Jahren, vom Kambrium bis zum Silur (Kaledonische Ära) war unser Gebiet schon als Gebirge herausgehoben. Es unterlag bereits wieder der Verwitterung und langsamer Abtragung. In der darauf folgenden Devon- und Permzeit vor ca. 400-220 Millionen Jahren, während der Variszischen Ära, wurde das Moldanubikum erneut abgesenkt. Durch eine zwangsläufige Erhöhung von Temperatur und Druck erfuhr das Gestein eine abermalige Umwandlung. Das Ergebnis war eine Aufspaltung der einst gleichförmigen Gneise in viele verschiedenartige Gneisarten und Gesteine mit granitischer Struktur.
Zu Beginn des Karbons (Steinkohlenzeit) vor ca. 240 Millionen Jahren haben im Gebiet des heutigen Bayerischen Waldes starke tektonische Kräfte gewirkt, die das erkaltete Gneis-Gebirge in Schollen zerbrochen haben. Neben vielen kleineren Störungszonen wurde auch die 140 km lange von Südost nach Nordwest verlaufende Pfahl-Zone aufgerissen. Ihre Anlage erfolgte vermutlich schon im Devon. Mit Sicherheit bildete sie schon während der variszischen Gesteinsaufschmelzung Gebiete mit erhöhter Durchwärmung. In der Folgezeit kam es in diesen Zonen schrittweise zu wiederholten Gleitbewegungen, die ein System von Scher- und Fiederspalten aufrissen, die fortwährend von wässerigen Kieselsäurelösungen durchtränkt wurden. In der Erdepoche des Oberperm vor ca. 220 Millionen Jahren erfolgte die Hauptfüllung mit Quarz. Die wiederholten Bewegungen in der Pfahlzone, aber auch in manchen Nebenpfählen, walzten die Begleitgesteine, Gneise und Granite, zu Pfahlschiefern ans. Gleichzeitig wurde das Gebirge auch großflächig von Granit und Diorit unterflossen, die als Massiv-, Stock- und Ganggranite erscheinen. Durch die Verwitterung des einst darüberliegenden Gneisdaches während späterer Epochen sind sie heute als sanfte Hügel in der Landschaft sichtbar. War der Bayerische Wald im ausklingenden Paläozoikum (Erdaltzeit) bereits Abtragungsgebiet, so wechselten während des Mesozoikum (Erdmittelalter) in den Erdepochen Trias, Jura und Kreide vor ca. 220-70 Millionen Jahren wiederholt Hebungen und Abtragungen. Teilweise kam es im Oberen Jura (Malm) und in der Kreide sogar zur Überflutung unseres Gebiets durch das Meer und zur Ablagerung von Kalken, die aber später bis auf geringe Reste am heutigen Donaurand wieder abgetragen wurden. Im Oligozän, am Anfang des Tertiärs (Erdneuzeit) vor ca. 60 Millionen Jahren wurde der Bayerische Wald als Folge der Auffaltung der Alpen horstartig emporgehoben. Die heutige Donauebene sank später ab und an der Randzone blieb der Natternberg als Abgleitscholle hängen. Seit dem Jungtertiär bildeten sich durch subtropische Klimaeinflüsse Rumpfflächen (Landoberflächen) mit Gelb- und Rotlehmen und einer weitgehenden Zersatzbildung. Auf den Graniten entstand eine mächtige Zersatzdecke. Nicht nur die Alpen, auch der Bayerische Wald wurde von den Ereignissen des Pleistozän (Eiszeit) betroffen. Davon zeugen heute noch eindrucksvoll Großer- und Kleiner Arbersee und Rachelsee mit ihren Moränenwällen; Karseen deren Entstehung durch die Wirkung kleiner Gletscher heute nicht mehr bezweifelt wird. Acht Eiszeiten mit dazwischenliegenden Wärmezeiten schufen die jetzigen Oberflächenformen mit Tälern, Flussläufen und Berggipfeln. In den Gebieten, die nicht ständig von Eis und Schnee bedeckt waren, vollbrachten die Erosionskräfte Frost, Wind und fließendes Wasser ihr Werk. Die weißen Quarzfelsen des Pfahls kamen ans Licht; Fließerden und Blockmeere entstanden. Als vor ca. 10000 Jahren die Eiszeit zu Ende ging, kehrten Pflanzen- und Tierwelt wieder zurück; es bildeten sich erste Lebensräume (Moore, Auen und Filze).





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