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Im Kleinen Arbersee leben wieder Fische

Artikel aus der Kötztinger Zeitung vom 17.09.2011, von Maria Frisch
(Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Kötztinger Zeitung, Jürgen Hirtreiter)



Nachweis durch Elektrofischung erbracht - Instandsetzungsarbeiten am Kopfspeicher

Lohberg. Erstaunt verfolgten die Besucher des Kleinen Arbersees am Donnerstag, wie ein Ruderboot in den Eiszeitsee auslief, von dem aus mittels eines Keschers Gefischt wurde. Wie allseits bekannt ist, wären dies gleich zwei Verstöße gegen die Naturschutz- verordnung. Allerdings waren die durchgeführten Maßnahmen von den zuständigen Behörden genehmigt, um Gewissheit über eventuelle Fischvorkommen zu erhalten. Nachdem einzelne Flossentiere bereits von aufmerksamen Beobachtern gesichtet wurden, erbrachten Dr. Thomas Ring und Stefan Schwarz von der Fischereifachberatung des Bezirks Oberpfalz mit ihrer Elektrofischung den Beweis: Nach Jahrzehnten der Abstinenz gibt es wieder vereinzelte Saiblinge im Kleinen Arbersee. Ob die Fische zugewandert sind oder eventuell durch das Entengefieder "eingeschleppt" wurden, ist noch ungewiss. Jedoch lässt das, wenn auch bis dato geringe Vorkommen der Saiblinge den Rückschluss zu, dass sich die Versauerung des Seewassers, das eine Verarmung der Tierwelt zur Folge hatte, scheinbar gebessert hat.
Zu dem Ortstermin am Donnerstag hatte Dr. Klaus Amberger, Abteilungsleiter für den Landkreis Cham am Wasserwirtschaftsamt Regensburg, auch die Vertreter der Flußmeisterstelle Roding, der unteren Naturschutzbehörde sowie Bürgermeister Franz Müller eingeladen. "Unser Anliegen am Kleinen Arbersee ist, nicht in die Natur einzugreifen, jedoch auch dessen kulturhistorische Bedeutung als Triftgewässer zu erhalten", betonte Dr. Klaus Amberger. Die Landschaft am Kleinen Arbersee wurde seinerzeit durch das Triften stark verändert. Die Seefläche erweiterte sich durch den Aufstau von 2,9 auf 9,6 Hektar. Der Kleine Arbersee in seinem heutigen Umfang liegt mit den schwimmenden Inseln jedoch so urwüchsig in seinem von den Gletschern der Eiszeit geschaffenen Bett, dass man hier eine von Menschenhand unberührte Landschaft vorzufinden glaubt. Der Seebach ist ein ausgewiesener Wildbach, für dessen Unterhalt das Wasserwirtschaftsamt zuständig ist. Deshalb wurden in diesen Tagen am Kopfspeicher die morschen Holzbohlen ausgetauscht. Diese erneuerte das letzte Mal vor rund 30 Jahren das Flussbauamt Deggendorf.
Josef Stelzl und sein Team von der Flussmeisterei Roding befestigten auch den Unterbau mit Kies. "Wir haben Tannenholz aus den Hochlagen verwendet, weil diese Holzart im Wasserbau der Fichte weit überlegen ist", erläuterte Josef Stelzl. Eine Winterarbeit des Schreiners der Flussmeisterstelle wird der Flussmeisterstelle wird die Herstellung eines neuen Geländers über die dortige Brücke - diesmal aus Lärchenholz - sein, das im Frühjahr montiert wird. Als gegen Ende des 19. Jahrhunderts die Holzwirtschaft eine glänzende Konjunktur hatte, richteten die Waldbesitzer des Lamer Winkels den Oberlauf des Weißen Regens zum Triften großer Holzmengen ein. Die wasserwirtschaftlichen Maßnahmen führten sie geschickt durch, so dass der urtümliche Charakter des Hochtals bewahrt blieb.
Dr. Klaus Amberger fand, dass die Menschen damals Unglaubliches geleistet haben, um das Gewässer zum Triften zu nutzen. Die Steine als UferbeGrenzung liegen auch nach 100 Jahren noch an ihrem Platz. "Wer ab dem Parkplatz Reißbrücke am Bach entlang geht, findet eine traumhafte Natur vor", geriet der Abteilungsleiter ins Schwärmen. "Wir haben uns zum Ziel gesetzt, die Lager- und Anmachplätze die sogenannten ´Bloßn` zu erhalten", so Amberger. Allerdings ergriff man Vorkehrungen, sie fischdurchgängig zu machen. Und siehe da, es wurden wieder Fische gesichtet. Inwieweit dies nun auch für den Kleinen Arbersee zutrift, der defacto seit Jahrzehnten als fischfrei galt, wollte Dr. Thomas Ring und seine Mitarbeiter mit der Elektrobefischung am Donnerstag ergründen. Die Versauerung des Sees begann Anfang der 60er Jahre im Letzten Jahrhundert. Das Gestein bestehe hier aus Gneis, welches den Säureeintrag der Niederschläge nicht, wie in anderen Gegenden mit kalkhaltigem Gestein, abpuffern kann. Deshalb haben alle Gletscherseen im Bayerischen und Böhmischen Wald einen sehr niedrigen ph-Wert. Als das Ruderboot am Donnerstag "in See stach", folgten ihm viele erstaunte Blicke. Ohne diesen logistischen Aufwand hätte man den Nachweis nicht erbringen können, begründete Dr. Amberger. Elektrofischen gilt als sanfteste Art des Fischfangs und ist in der Fischerei eine unentbehrliche Methode zur Bestandserhebung und Beweissicherung sowie zur Analyse von Fischartenvorkommen.
Während man früher die zu untersuchenden Gewässer von Booten aus mit Netzen abgefischt hat, ersetzte das Elektrofischen nun diese arbeitsaufwändige Registrierung der Fischarten. Durch den Stromfluss wurden die Saiblinge leicht betäubt und konnten mit dem Kescher ganz einfach eingefangen werden. Der Stromfluss wurde sofort wieder abgeschaltet, so dass bei den Fischen keinerlei Schäden entstanden. Die Betäubungszeit war relativ kurz. Es wurde lediglich eine Fischartbestimmung und Vermessung durchgeführt. Dr. Ring entließ jeden einzelnen Fisch nach der wenigen Sekunden dauernden Prozedur sofort wieder in die Freiheit, worauf dieser in seinem Element schwamm, als ob gar nichts gewesen wäre.


ergänzende Info / Recherche durch waldberge.de:

Wie Dr. Thomas Ring mitteilte gelang es auch Forellen im Seebach nachzuweisen. Diese Fischart war jedoch nur hier im Seebach anzutreffen, im benachbarten Sollerbach fand sich nur Saiblinge.

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Der Bachsaibling gehört zur Familie der Lachsfische. Er wurde 1884 aus Nordamerika eingeführt.
Niedrige ph-Werte verkraftet er besser als die Forelle.
Wie hält es nun die Forelle im Seebach aus und in den benachbarten Gewässern nicht?
Im Jahre 2005 wurde der Gaststätte Seehäusl genehmigt das gereinigte Überwasser aus der eigenen Kläranlage in den Seebach einzuleiten. Dies geschieht einige Meter unterhalb des Wehrs.
Vielleicht ist es genau dieses alkalische "Abwasser" das den Seeablauf mehr neutralisiert und es der Forelle ermöglicht diese Strecke zu besiedeln.




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