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Die Entstehung des kleinen Arbersees und seiner schwimmenden Inseln

entnommen aus dem Buch "Zwischen Arber und Osser" von Ulrich Winkler
Rechte: Morsak Verlag GmbH, Grafenau
(mit freundlicher Genehmigung des Morsak-Verlags)
(das Buch erschien 1981 und ist inzwischen vergriffen)


Die Großformen des den Lamer Winkel umrahmenden Mittelgebirges waren schon im Tertiär vorhanden. Seinen heute so viel bewunderten Formenreichtum hat dieses Gebirge in der 600 000 Jahre währenden Eiszeit erhalten.
Eine ihrer interessantesten Schöpfungen ist der Kleine Arbersee, an dessen steil abfallenden Seewänden wir die gewaltigen Wirkungen der Verwitterung und Abtragung durch Schnee und Eis in den Kaltzeiten der vergangenen Erdperiode ermessen können. Nachdem in der letzten Kaltzeit mit Firn- und Eisbedeckung bis in Höhen von 800m herab das schuttreiche Eis zum letzten Mal zerstörend an den Felswänden gearbeitet und die schon vorgeformten Kare noch weiter ausgebildet hatte, zog mit zunehmend wärmer werdendem Klima der Gletscher sich allmählich hinter seinen Endmoränenwall zurück. Im ausgekolkten Gletscherbett entstand der See. Der Kleine Arbersee hat sein ursprüngliches nacheiszeitliches Aussehen erst wieder erhalten, als er gegen 1880 aufgestaut wurde. Vorher war der Kleine Arbersee, wie die bayerische Flurkarte von 1829 und eine historische Karte von 1765 zeigen, erheblich kleiner; er lag zwischen Seehäusel und Seewiese. Die Seefläche betrug nur den 4. Teil der derzeitigen Wasserfläche. Dem Seebach war es einmal gelungen, sich tiefer in den Endmoränenwall einzugraben oder durchzubrechen und den See teilweise auslaufen zu lassen. Der einst so fischreiche Kleine Arbersee maß etwas weniger als drei Hektar. Die viel bewunderten schwimmenden Inseln sind kein zufälliges Geschenk der Natur. Das wiederholte Ablassen des Sees zur Holztrift hat das Abheben der schwimmenden Inseln vom Seegrund und das Aufschwimmen der durch Wurzelwerk zusammengehaltenen Uferfilze verursacht.
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Auf der Flurkarte ist der ursprüngliche See durch seine enger gezeichneten Wasserlinien deutlich zu erkennen. Der von Süden kommende Seebach hatte 120m vor seiner Mündung in den See zwei Arme. Die Filze südlich des Sees waren also dreigeteilt. Hieraus läßt sich die Existenz dreier schwimmenden Inseln erklären.
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Als gegen Ende des 19. Jhs. die Holzwirtschaft eine glänzende Konjunktur hatte, richteten die Waldbesitzer des südlichen Lamer Winkels den Oberlauf des Weißen Regens zum Triften großer Holzmengen ein. Die wasserwirtschaftlichen Maßnahmen führten sie geschickt durch, so daß der urtümliche Charakter des Hochtales bewahrt blieb. Stark veränderten sie dagegen die Landschaft am Kleinen Arbersee, dessen Seefläche sie durch den Aufstau von 2,9 auf 9,6ha erweiterten. Der Kleine Arbersee in seinem heutigen Umfang liegt mit seinen schwimmenden Inseln jedoch so urwüchsig in seinem von den Gletschern der Eiszeit geschaffenen Bett, daß man hier eine von Menschenhand unberührte Landschaft vorzufinden glaubt. Bemerkenswert ist, dass der heutige See sich durch das Fehlen von Fischen auszeichnet, während wir aus seiner Vergangenheit, zurück bis zum 16. Jahrhundert, immer wieder Hinweise auf seinen Fischreichtum erfahren konnten.




Anmerkung zu den Text-Auszügen von Ulrich Winklers Buch:

Die Versauerung des Sees begann Anfang der 60er Jahre im letzten Jahrhundert.
Der ph-Wert beträgt derzeit im Mittel 4,5. Dieser niedrige Wert ist für das Aussterben der Fische im See verantwortlich.

Das saure Wasser aus den Zuflüssen löst giftige Metalle aus dem Boden wie Aluminium, Blei oder Zink. Die trüben Huminstoffe des Wassers werden durch Verbindungen mit diesen Stoffen gebunden und flocken aus. So hat der früher als dunkel und trübe beschriebene Moorsee nun klares, aber auch sehr saures Wasser, welches die Verarmung der Arten begründet.

Das Gestein um den See besteht aus Gneis, welches den Säureeintrag der Niederschläge nicht,
wie in anderen Gegenden mit kalkhaltigem Gestein, abpuffern kann.
Deshalb haben alle Gletscherseen im Bayerischen und Böhmischen Wald einen sehr niedrigen pH-Wert.


Ausschnitt aus der Gewässergütekarte der Oberpfalz / Versauerung
Stand: Oktober 2000



Veröffentlichung des Ausschnitt mit freundlicher Genehmigung
der Pressestelle der Regierung der Oberpfalz
Herr Oberregierungsrat Joseph Karl


Die komplette Karte ist unter
http://www.ropf.de/leistungen/wasser/gwg_karte/versauer.pdf
zu finden.






in der kleinen Arberseewand




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